Entgegen einschlägigen Gerichtsurteilen teilt WhatsApp inzwischen personenbezogene Nutzerdaten mit dem Mutterkonzern Facebook und "vertrauenswürdigen Drittanbietern". Das geht zwar nicht aus der aktualisierten Datenschutzrichtlinie des Messengerdienstes hervor, findet sich aber in zusätzlichen Erläuterungen unter dem Titel "So arbeiten wir mit den Facebook-Unternehmen zusammen". Der Hamburgische Datenschutzbeauftragte Johannes Caspar findet dieses Vorgehen "alarmierend" und sieht darin einen eindeutigen Verstoß gegen die neue EU-Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO).

Der Streit um die Datenweitergabe zwischen WhatsApp und Facebook beschäftigt Datenschützer schon seit deren Ankündigung im August 2016. Anfang März 2018 hatte das Oberverwaltungsgericht Hamburg Caspars Anordnung bestätigt, wonach Facebook nicht massenhaft Daten seiner Tochterfirma WhatsApp für eigene Zwecke nutzen darf. Das gelte nicht nur für Zwecke wie die Reichweitenmessung und die Werbungsoptimierung, sondern auch für die Plattform- und Nutzersicherheit, die Facebook als Grund für die geplante Datenweitergabe zumindest angegeben hatte. WhatsApp hatte im März 2018 angekündigt, die Daten künftig nur "in voller Übereinstimmung" mit der DSGVO weiterzuleiten.

Weitergabe an "vertrauenswürdige Dritte"

Nun heißt es jedoch bei WhatsApp: "Derzeit teilt WhatsApp nur wenige Informationskategorien mit den Facebook-Unternehmen. Dazu gehören die Telefonnummer, die du bei der Registrierung für WhatsApp verifiziert hast, einige Geräteinformationen (Gerätekennung, Betriebssystemversion, App-Version, Plattforminformation, Ländervorwahl der Mobilnummer, Netzwerkcode sowie Markierungen, die es erlauben, deine Zustimmung zu Aktualisierungen und Steuerungsoptionen nachzuverfolgen) und einige deiner Nutzungsinformationen (wann du WhatsApp zum letzten Mal genutzt hast, wann du deinen Account registriert hast sowie die Art und Häufigkeit deiner Nutzung von Features)."

Den Angaben zufolge will WhatsApp mit der Datenweitergabe an Facebook-Unternehmen und "vertrauenswürdige Drittanbieter" unter anderem herausfinden, wie Personen "die WhatsApp-Dienste im Vergleich zu anderen Apps oder Diensten der Facebook-Unternehmen nutzen. Und das wiederum trägt dazu bei, dass WhatsApp mehr Möglichkeiten hat, sich mit potenziellen Funktionen auseinanderzusetzen oder Produktverbesserungen zu fördern". Zudem will Facebook mit dem Datenabgleich besser gegen Spam vorgehen oder Nutzer identifizieren, "der gegen unsere Nutzungsbedingungen verstößt oder ein Sicherheitsrisiko für andere darstellt".

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Einziger Ausweg: Kontolöschung

Dabei werden nicht nur die Daten von WhatsApp-Nutzern weitergeleitet, die einen Facebook-Account haben, "da wir in der Lage sein müssen, Informationen zu all unseren Benutzern zu teilen, um nützliche Dienste von den Facebook-Unternehmen in Anspruch nehmen und die wichtigen Ziele erfüllen zu können", wie es heißt. Zumindest werden die WhatsApp-Kontakte der Nutzer nicht mit Facebook geteilt. Das sei auch nicht geplant. Die einzige Möglichkeit für WhatsApp-Mitglieder, die Datenweitergabe zu unterbinden, besteht in der Löschung des Accounts. "Wenn du es ablehnst, dass deine Informationen mit anderen Mitgliedern der Facebook-Unternehmen für die in den Nutzungsbedingungen und der Datenrichtlinie beschriebenen Zwecke geteilt werden, hast du die Möglichkeit, diesen Dokumenten nicht zuzustimmen und den WhatsApp-Dienst nicht zu benutzen", heißt es lapidar.

Die einzige Einschränkung besteht darin, dass Facebook die WhatsApp-Daten nicht nutzt, "um deine Produkterlebnisse auf Facebook zu verbessern oder dir interessantere Facebook-Anzeigen zu zeigen". Dies sei "das Ergebnis von Diskussionen mit dem Leiter der irischen Datenschutzbehörde (Data Protection Commissioner) und anderen Datenschutzbehörden in Europa". Weiter heißt es: "Falls wir uns zukünftig entscheiden, solche Daten zu diesem Zweck mit den Facebook-Unternehmen zu teilen, erfolgt das nur dann, wenn der Leiter der irischen Datenschutzbehörde einem Mechanismus zustimmt, der eine solche Nutzung ermöglicht."

Nach Ansicht von Caspar ist jedoch schon die jetzige Form der Datenweitergabe nicht zulässig. Das liege unter anderem daran, dass in der eigentlichen Datenschutzrichtlinie darauf nicht eingegangen werde. Unter "Wesentliche Updates" heißt es lediglich: "Nichts von dem, was du über WhatsApp teilst, einschließlich deiner Nachrichten, Fotos und Account-Infos, wird über Facebook oder irgendeine andere Anwendung aus unserer App-Familie sichtbar für andere geteilt, und nichts von dem, was du in diesen Apps veröffentlichst, wird sichtbar für andere über WhatsApp geteilt, es sei denn, du selbst wählst die Option, dies zu tun."

Caspar sagte auf Anfrage von golem.de: "Es ist ja nicht einmal klar, dass es sich bei den Informationen überhaupt um personenbezogenen Daten von Nutzern handelt und gegebenenfalls welche dies dann sein sollen. Hier bleibt alles im Ungefähren." Zudem müsste dann eine Prüfung erfolgen, ob das sogenannte Kopplungsverbot der EU-Verordnung eingehalten werde. Das "berechtigte Interesse" des Unternehmens an der Datenweitergabe dürfte nach Ansicht Caspars nicht ausreichend sein, um auf eine Einwilligung verzichten zu können.