Mark Zuckerberg hatte gestern die schwierige Aufgabe, mit seiner Rede zum Auftakt der Entwicklerkonferenz F8 in San José zwei sehr unterschiedliche Zielgruppen anzusprechen. Erstens die Entwickler und Entwicklerinnen im Saal – 5.000 Menschen, die teilweise als Ein-Personen-Firmen davon leben, das Ökosystem des sozialen Netzwerks um neue Anwendungen zu bereichern, und dabei an Facebooks Datenschnittstelle wie an einer Nabelschnur hängen.

Zweitens die allgemeine Öffentlichkeit, die sich in den vergangenen Monaten vor allem über Facebooks schludrigen Umgang mit ebendiesen Daten erregt hat. Die beiden Gruppen haben durchaus widerstrebende Interessen: Einige Entwickler waren in letzter Zeit erbost darüber, dass sie nach der Affäre um Cambridge Analytica nicht mehr so umfassenden Zugriff auf die Profile der Nutzer hatten wie früher.

Der Facebook-Chef bemühte sich redlich, es beiden Seiten recht zu machen. Wie in allen seinen jüngsten öffentlichen Auftritten begann er mit einer Litanei von Entschuldigungen für die Fehler der Vergangenheit. Er versprach den Nutzern neue Datenschutzinstrumente, etwa einen Clear-History-Button, mit denen sie Informationen über die Nutzung externer Seiten in ihrem Profil löschen können. Schon jetzt haben sie die Möglichkeit, der App zu untersagen, solche Informationen für gezielte Werbung zu nutzen.

Den Entwicklern versprach Zuckerberg, dass die Zusammenarbeit nach der kleinen Störung wieder reibungslos funktionieren solle. Ärger müssten nur die schwarzen Schafe befürchten, die mit den Daten Böses vorhätten. Zudem kündigte er Neuerungen für Instagram, Messenger, WhatsApp sowie eine tragbare Version der Virtual-Reality-Brille von Oculus an. Das Signal, das von der Konferenz ausgehen soll: Nach den schwierigen Monaten blickt Facebook wieder optimistisch in die Zukunft. "We will keep building", rief Zuckerberg den jubelnden Anwesenden zu, "wir werden weiter bauen".

Facebook war quasi das Ur-Tinder

Einer der überraschendsten neuen Bausteine war für die meisten Zuhörer die Ankündigung, Facebook wolle sich nun in das lukrative Geschäft des Onlinedatings begeben. Aber überraschend ist eigentlich, dass die Firma 14 Jahre gebraucht hat, um sich diesem Markt zuzuwenden. Schließlich war Zuckerbergs erste App, die er auf seiner Studentenbude in Harvard entwickelte (und von der er heute nicht mehr so gerne spricht), eine Art prähistorisches Tinder: Auf der Website FaceMash konnten die User die Attraktivität von jeweils zwei Studentinnen oder Studenten bewerten.

Eine von drei amerikanischen Ehen entsteht heute aus Onlinedating, meist über Kuppel-Apps wie Tinder, OkCupid oder Match.com. In Deutschland versprechen Seiten wie Friendscout oder Parship One-Night-Stands oder dauerhafte Partnerschaft. Vom schnellen Flirt bis zur langfristigen Beziehung, vom Spezialmarkt für gleichgeschlechtliche Paare bis zum Elitekontakthof für Besserverdienende reicht das Spektrum der Partner- und Singlebörsen. Zuckerberg erzählte gestern gerührt, wie oft er auf der Straße von glücklich verheirateten Paaren angesprochen werde, deren Glück auf Facebook seinen Ausgang nahm. 200 Millionen Facebook-Nutzer geben als Beziehungsstatus "Single" an, und das soll sich jetzt wohl ändern. "Wir machen das für echte, langfristige Beziehungen, nicht nur fürs Anbaggern", beteuerte Zuckerberg. Allerdings wird Facebook wohl kaum durchs Schlüsselloch schauen, um zu kontrollieren, was die im Netz Verkuppelten offline so treiben – hoffen wir zumindest.

Natürlich ist die Idee nicht neu, den sogenannten Social Graph, also das in Facebook manifestierte Netz von Bekanntschaften und Freundschaften, auch für die Anbahnung neuer Beziehungen zu nutzen. Bei vielen Dating-Apps, etwa Tinder, können Menschen sich mit ihrem Facebook-Profil anmelden und der Dienst kann dann zum Beispiel sehen, ob zwei Paarungswillige gemeinsame Freunde und Freundinnen haben. Aber Facebook selbst weiß erheblich mehr über die Menschen und ihre Netzwerke, kennt persönliche Vorlieben und kann per Algorithmus auf Charaktereigenschaften schließen. Gut möglich, dass die Firma damit erheblich passgenauere Partnervorschläge machen kann.