Der Brite Syed Kamall wollte mehr über sogenannte Schattenprofile erfahren: jene Datensammlungen von Menschen, die gar kein Facebook-Konto haben, aber etwa über Werbetracker und Cookies trotzdem von Facebook erfasst werden. "Ist der einzige Weg, Facebook zu entkommen, das Internet komplett zu vermeiden?", fragte der Abgeordnete.

Schon vor dem US-Kongress versuchte Zuckerberg, dieses Thema zu umgehen. Man müsse Daten auch von Nichtnutzern aufzeichnen, "um die Sicherheit der Facebook-Nutzer zu garantieren", sagte er nun in Brüssel denkbar knapp auf Nachfrage des Grünen-Datenschutzexperten Jan Philipp Albrecht. Dabei wirkte er für einen Moment auffällig nervös. Man hätte sich gewünscht, die Abgeordneten hätten noch die Chance für Nachfragen gehabt. Denn Schattenprofile sind auch vor dem Hintergrund der Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) ein brisantes Thema: Wie soll Facebook die Einstimmung zur Datenverarbeitung von Nutzern einholen, die gar nicht auf seiner eigenen Seite unterwegs sind?

DSGVO, alles kein Problem

Die DSGVO war ein dritter großer Themenkomplex. Der deutsche Sozialdemokrat Udo Bullmann wollte wissen, ob Facebook die neuen Regularien umsetze. "Facebook wird ab dem 25. Mai DSGVO-konform sein", antwortete Zuckerberg. Schon in den vergangenen Monaten hätte das Netzwerk entsprechende Änderungen getroffen.

Weitaus interessantere Fragen, etwa ob Facebook gemäß der DSGVO seinen Nutzern bei Datenmissbrauch Schadensersatz zahle, blieben dagegen unbeantwortet. So auch Albrechts Frage, ob Zuckerberg garantiere könne, die Daten von Facebook und WhatsApp nicht zusammenzuführen. Dabei dürfte die geplante Einführung von Werbung in WhatsApp noch zu großen Diskussionen führen und möglicherweise neben Datenschützern auch Wettbewerbshüter alarmieren.

Die Fragen sagten mehr als die Antworten

Auf alle weiteren Fragen, etwa zur Bekämpfung von Bots und Hasskommentaren, griff Zuckerberg auf seine vorgestanzten Antworten zurück. Man nutze neue Technologien wie künstliche Intelligenz, stelle mehr Personal ein und nehme die Gefahr von Wahlmanipulationen sehr ernst. Was Cambridge Analytica angehe, so habe man inzwischen stärkere Kontrollen für den Datenzugriff durch Dritte eingeführt. Es sei aber denkbar, dass noch andere Apps in der Vergangenheit übermäßigen Datenzugriff hatten. Das müssten weitere Untersuchungen klären.

Immerhin bleibt die Erkenntnis, dass Facebook in der europäischen Union ein stärkerer Wind entgegenbläst als in den USA. Die Fragen der Abgeordneten waren allerdings aussagekräftiger als Zuckerbergs Antworten. Schließlich enthielten sie Hinweise darauf, was in den kommenden Monaten und Jahren noch auf das soziale Netzwerk zukommen könnte. 

Umso unverständlicher ist die Entscheidung des Parlamentspräsidiums, Zuckerberg selbst auswählen zu lassen, welche Fragen er beantwortet und welche er ignoriert. Selbst die Fraktionsspitzen konnten das nicht nachvollziehen und reagierten zum Abschluss ungehalten: "Ich habe ihnen sechs Ja-oder-Nein-Fragen gestellt und nicht eine Antwort erhalten!", klagte der Grüne Philippe Lamberts. "Alles nur Blablabla" konnte man seinen Kollegen Guy Verhofstadt noch sagen hören, bevor der Livestream endete. Es war eine treffende Zusammenfassung.