Google muss negative Bewertungen löschen, auch wenn sie keinen Text enthalten. Das hat das Landgericht Lübeck entschieden. Ein Arzt hatte vergeblich versucht, eine Ein-Sterne-Bewertung streichen zu lassen, die auch bei Google Maps erscheint. Das Gericht gab dem Kläger Recht und verurteilte Google auf Unterlassung. Sollte das Unternehmen den Eintrag nicht streichen, würde ein Ordnungsgeld von bis zu 250.000 Euro fällig werden.

Google hatte vor Gericht argumentiert, dass es sich bei der Bewertung um eine nach Artikel 5 des Grundgesetzes geschützte Meinungsäußerung handele und kein Werturteil enthalte. Dem folgte das Gericht nicht. In diesem Falle überwiege das Schutzinteresse des Betroffenen, entschieden die Richter. Wer immer auch der Absender der Bewertung sei, sie sei geeignet, das Ansehen des Klägers negativ zu beeinflussen.

Unternehmen, Praxen und Geschäfte können bei dem Dienst Google+ ein registriertes Profil anlegen, über das wiederum in Google Maps zusätzliche Infos wie Bilder und Öffnungszeiten ergänzt werden können. Registrierte Nutzer können dort Bewertungen abgeben. In dem in Lübeck verhandelten Fall hatte ein unbekannter Nutzer unter dem Profil des Klägers, eines niedergelassenen Kieferorthopäden, eine negative Ein-Sterne-Bewertung ohne Kommentar abgegeben. Der Kläger geht davon aus, dass die schlechte Bewertung nicht von einem Patienten stammt. Er wertete die Bewertung als geschäftsschädigend und als Verletzung seiner Persönlichkeitsrechte und hatte daraufhin zunächst erfolglos die Löschung durch Google gefordert.

Das nun bekannt gewordene Urteil ist bereits am 13. Juni gesprochen worden. Ob Google Rechtsmittel einlegen wird, ist unklar. In einem ähnlichen Verfahren hatte das Landgericht Augsburg am 17. Juli die Klage eines Zahnarztes abgewiesen und im Sinne Googles entschieden. Der Mediziner sah ebenfalls sein Persönlichkeitsrecht durch eine Negativ-Bewertung ohne Begründung verletzt, zumal diese von einem Nutzer kam, der kein Patient seiner Praxis gewesen sein soll. Die Augsburger Richter sahen allerdings das Recht auf freie Meinungsäußerung gewichtiger an.