Die Wahrnehmung von Hassrede und Hasskommentaren im Internet hat im Vergleich zu den Vorjahren zugenommen. Laut einer Forsa-Studie im Auftrag der Landesanstalt für Medien NRW gab die Mehrheit der mehr als 1.000 Befragten (78 Prozent) an, schon einmal Hassrede oder Hasskommentare im Internet gesehen zu haben, zum Beispiel auf Webseiten, in Blogs, in sozialen Netzwerken oder in Internetforen. Zum Vergleich: 2017 waren es 67 Prozent, im Jahr davor 65 Prozent. Die Studie wird seit 2016 erhoben. 

Am häufigsten betroffen sind demnach junge Menschen im Alter von 14 bis 24 Jahren (96 Prozent), gefolgt von den 25- bis 44-Jährigen (85 Prozent). Mit steigendem Alter nehmen Internetnutzerinnen und Nutzer deutlich seltener Hassrede oder Hasskommentare wahr. Einen weiteren Unterschied gibt es nach Geschlecht: Frauen erleben etwas mehr Hassrede (78 Prozent) als Männer (76 Prozent). Kaum einen Unterschied macht hingegen der Wohnort. Menschen aus neuen wie alten Bundesländern sehen ähnlich häufig Hasskommentare im Internet.

Die Zahl derer, die angeben, selbst Hasskommentare zu verfassen, blieb über die Jahre unverändert – bei etwa ein Prozent. "Die Ergebnisse zeigen, dass wir viel Hetze, aber wenige Hetzer im Netz haben", sagt Tobias Schmid, Direktor der Landesanstalt für Medien NRW. "Dies zeigt uns aber auch, dass es eine Chance gibt, den zunehmenden Hass im Internet in den Griff zu bekommen."

BKA geht verstärkt gegen Hasskommentare vor

Die Einschätzung deckt sich mit anderen wissenschaftlichen Untersuchungen. Eine Untersuchung des Londoner Institute for Strategic Dialogue auf Grundlage von Hunderten Diskussionen unter Facebook-Beiträgen von Bild, Focus Online, Kronen-Zeitung, Spiegel Online, tagesschau.de, Welt und den ZDF-Heute-Nachrichten zeigt: Die Hälfte der Likes bei Hasskommentaren auf Facebook gehen auf nur fünf Prozent der Accounts zurück. In dieser Minderheit wiederum ist ein Teil besonders aktiv. Der Analyse zufolge lassen sich 25 Prozent der Likes auf nur ein Prozent der Profile zurückführen.

In Deutschland geht das Bundeskriminalamt inzwischen verstärkt gegen Hasskommentare im Internet vor. Mitte Juni untersuchte die Polizei im Rahmen des dritten Aktionstags zur Bekämpfung von Hasspostings Wohnungen von 29 Verdächtigen im gesamten Bundesgebiet. Ihnen werden strafbare Hasskommentare wie antisemitische Beschimpfungen, fremdenfeindliche Volksverhetzungen oder öffentliche Aufforderungen zu Straftaten vorgeworfen; bei Volksverhetzung im Internet droht eine Freiheitsstrafe von bis zu fünf Jahren. Anfang des Jahres trat zudem ein Netzwerkdurchsetzungsgesetz in Kraft. Anbieter sozialer Netzwerke, darunter Twitter, Facebook und YouTube, sind seitdem verpflichtet, "offensichtlich rechtswidrige Inhalte" innerhalb von 24 Stunden nach Eingang einer Beschwerde zu entfernen oder zu sperren.