Zunächst zeigte sich Elon Musk noch zurückhaltend. Als ihn ein Nutzer auf Twitter anschrieb und bat, den in einer Höhle eingeschlossenen Jungen und ihrem Fußballtrainer in Thailand zu helfen, twitterte der Techunternehmer zurück: "Ich vermute, dass die thailändische Regierung alles unter Kontrolle hat." Er helfe aber gerne, wenn sich eine Möglichkeit ergebe.

Das war am 4. Juli. Nur zweieinhalb Tage später fand Musk offenbar doch, dass er helfen könne: Man habe begonnen, eine doppelschichtige Druckkapsel mit Teflonbeschichtung zu bauen, schrieb er, wieder auf Twitter. In einem Pool werde man so schnell wie möglich testen, ob so eine Kapsel genutzt werden könne. Am 8. Juli twitterte er ein Video, in dem erste Übungen mit dem kleinen U-Boot in einem kalifornischen Schwimmbecken zu sehen sind. Taucher ziehen in dem nur wenige Sekunden langen Clip eine metallartige Kapsel über den Boden des Beckens.

Mit seiner neuen Erfindung hat sich einer der prominentesten Köpfe aus dem Silicon Valley in die Rettung der thailändischen Fußballmannschaft eingeschaltet. Für Musk ist das nicht ungewöhnlich: Seitdem der Gründer von PayPal bei dem Bezahldienst ausgestiegen ist, engagiert er sich in allen möglichen Bereichen. Er betreibt mit SpaceX sein eigenes Raumfahrtunternehmen, bastelt an einem superschnellen Zug namens Hyperloop und baut nebenbei noch elektrisch betriebene Autos mit Tesla.

Eine Kapsel, in die ein Kind passt

Jetzt will er mit seinen SpaceX-Ingenieuren auch bei der aktuellen Notlage in Thailand helfen. In der Höhle Tham Luang saßen seit dem 23. Juni zwölf Jungen im Alter von elf bis 16 Jahren und ihr Trainer fest. Sie wollten dort den Geburtstag eines Teammitglieds feiern. Doch als starker Regen einsetzte, wurde ihnen der Ausgang versperrt. Sie krochen tiefer und tiefer in die Höhle, um dem Wasser zu entgehen. Und saßen seitdem mehrere Kilometer vom Ausgang entfernt fest. Am Sonntag, dem 8. Juli, konnten speziell ausgebildete Taucher nach intensiver Vorbereitung bereits vier der Jungen, denen dazu Tauchausrüstung angelegt wurde, ins Freie begleiten. Am Tag darauf wurden vier weitere Jungen auf dieselbe Weise befreit. Am Dienstag soll ein weiterer Tauchgang zur Bergung starten.

Die Rettung stellt sich äußerst schwierig dar. Etwa 1.000 Einsatzkräfte sind an der Unglücksstelle, 90 von ihnen sind Taucher. Ein erfahrener Taucher der thailändischen Marine starb am Freitag in der Höhle, nachdem er zuvor Presslufttanks dorthin gebracht hatte. Zudem verzögerten neue Regenfälle die Rettungsversuche immer wieder.

Elon Musk hat mit seinem Team nun in extrem kurzer Zeit einen Prototyp entwickelt, mit dem er eine weitere Art der Rettung ermöglichen will. Zwischen seiner Ankündigung auf Twitter, dass er vielleicht eine Lösung hätte, und ersten Bildern von einer ersten Kapsel vergingen weniger als 48 Stunden. Doch bis Geräte dieser Art in Thailand zum Einsatz kämen, ist die Rettung – so der Stand am Montagabend – vermutlich schon vorbei. Immerhin: Am frühen Dienstagmorgen (Ortszeit) twitterte Musk, er und das U-Boot seien an der Basis der Rettungskräfte angekommen. Ob Musks Gerät noch zum Einsatz kommt, ist dennoch fraglich.

Musk nennt seine Technik "U-Boot für Kinder" – auch wenn das Gefährt keinen eigenen Antrieb hat. Würden derartige Kapseln aktuell doch noch zum Einsatz kommen, müssten die noch in der Höhle verbliebenen Jungen auf ihrem Weg ins Freie nicht selbst schwimmen oder tauchen. Sie müssten lediglich in so ein Behältnis steigen. Ein Taucher zöge es vorn, ein weiterer würde es von hinten anschieben. Insgesamt soll jede der Kapseln 40 Kilogramm wiegen und einen Durchmesser von 31 Zentimetern haben.

Gewichtgurte sollen ihren Auftrieb unter Wasser, sechs Griffe für die Retter ein Abrutschen verhindern. Zunächst schrieb Musk, dass die Konstruktion aus dem Kunststoff Kevlar hergestellt werden soll. Später war davon nicht mehr die Rede, nun hieß es, seine Ingenieure hätten Aluminium verwendet. Innen soll eine dünne Schicht Neopren verbaut sein: Sie soll isolieren und die Person in der Kapsel vor Kälte schützen. Vorne und hinten platzierten die Ingenieure je zwei Anschlüsse für Lufttanks. Am Rumpf sollen sie Presslufttransferschläuche eingesetzt haben, die auch bei der Falcon-Rakete von SpaceX zum Einsatz kommen. Dadurch könnten die Jungen ohne Mundstück atmen, so die Idee.

Entwickelt wurde der Prototyp nach Angaben von Elon Musk in Absprache mit Höhlenforschern in Thailand. Man habe "gutes Feedback" bekommen, schreibt der Unternehmer auf Twitter. Den Tauchern zufolge, die bereits durch die Höhle geschwommen seien, könnten die Kapseln durch alle Engen gleiten.

Wenn sich Unternehmer oder andere nicht-offizielle Stellen in Rettungsaktionen einmischen, ist das nicht immer gern gesehen. Es kann bei solchen Initiativen passieren, dass sie die Arbeit der verantwortlichen Retter behindern. Deshalb ist es wichtig, dass sich alle Initiativen, die sich beteiligen wollen, mit ihnen abstimmen. Unklar ist, ob das im Falle der Kapsel von Musk geschehen ist. Laut CNN haben thailändische Behörden lediglich die Zusammenarbeit mit Ingenieuren seiner Unternehmen bestätigt. Dabei gehe es aber nicht um die Rettungskapsel, sondern um andere technische Hilfe zur Bergung.