Amazon will seine Marktstellung im Smarthome-Segment mit neuen Geräten und Diensten ausbauen und so die Konkurrenz von Google und Apple übertrumpfen. Während einer Veranstaltung in Seattle präsentierte der Konzern eine Reihe neuer Geräte, die zunächst nur auf dem US-Markt erscheinen. Dazu zählt eine neue Version des KI-Lautsprechers Echo Plus sowie Echo Input, das die konzerneigene Assistenzsoftware Alexa in Lautsprecher anderer Anbieter bringen wird. Hinzu kommt ein Subwoofer, der den oft für ihren Klang kritisierten Echo-Lautsprechern einen satteren Bass verpassen soll.

Neben eigener neuer Hardware soll Alexa künftig in viele Haushaltsgeräte anderer Hersteller eingebaut werden können und ohne umständliche Einrichtung sofort funktionieren. Amazons Smarthome-Chef Daniel Rausch zufolge sollen die Einbaumodule für Hausgerätehersteller lediglich einen einstelligen Dollarbetrag ohne weitere Folgeausgaben kosten. Die Hardware sei auch für eine bei Haustechnik übliche lange Nutzungsdauer ausgelegt, die Software kann über Funk aktualisiert werden. Hersteller könnten mit Amazons Schnittstellen ohne großen Aufwand gängige Funktionen wie Ein- und Ausschalter, Regler sowie Programmauswahl mit Alexa verbinden.

Eine Mikrowelle, die Popcorn bestellt

Als Beispiel nannte Rausch unter anderem die Alarmanlage Guard, die zum Beispiel anspringt, wenn sie hört, dass ein Fenster eingeschlagen wurde oder ein Rauchmelder anging. Dafür kann sie auf die Mikrofone von Echo-Lautsprechern in verschiedenen Räumen zurückgreifen. "Wir haben viel Glas zerschlagen", damit die Software das entsprechende Geräusch erkenne, sagte Alexa-Forschungschef Rohit Prasad.     

Außerdem soll Alexa sich automatisch Gedanken über die Sicherheit des Haushalts machen. Sagt man ihr zum Beispiel "Gute Nacht", könnte sie von sich aus darauf hinweisen, dass etwa das Licht auf der Terrasse noch brennt oder die Hintertür nicht abgeschlossen ist. Die Software lerne dafür aus dem typischen Verhalten in einem Haushalt, eher über mehrere Wochen als Tage, sagte Amazons Smarthome-Chef Daniel Rausch. Mit der Zeit könnte die Software bei Auffälligkeiten auch von allein Hinweise geben – oder ihre Lernfähigkeit auf andere Bereiche wie zum Beispiel die Musikauswahl richten. 

Neben einer vernetzten Steckdose gibt es direkt von Amazon zunächst in den USA eine sprechende Mikrowelle und eine vernetzte Wanduhr, die mehrere Timer anzeigen kann. Die Mikrowelle kann nicht nur Sprachbefehle zur Zubereitung von Produkten entgegennehmen, sondern auch Popcorn bei Amazon nachbestellen. Die Mikrowelle sei ein Referenzgerät, dass Herstellern die Möglichkeiten demonstrieren soll. 

Neben einer kleinen Alexa-Box fürs Auto bringt Amazon in den USA auch einen vernetzten Festplattenrecorder heraus, der direkt Fernsehprogramme aufzeichnen und in verschiedenen Räumen verfügbar machen kann. Mit dem Gerät können gleichzeitig bis zu vier Sender empfangen und zwei Bildschirmgeräte angesteuert werden. Die Box empfängt terrestrisch ausgestrahlte Programme mit einer Antenne, nicht die in den USA oft üblichen Kabelkanäle. In den USA wird im Gegensatz zu Deutschland noch das analoge TV-Signal übermittelt, für Europa könnte Amazon das Gerät auf DVB-T hochrüsten.

Mehr Charakter für Alexa

"Sie wollen eindeutig das smarte Zuhause dominieren, das steht außer Frage", sagte Branchenexpertin Carolina Milanesi von der Analysefirma Creative Strategies am Rande des Events in Seattle. Alexa könne dafür "der Anker" sein, eine Basis, auf der Amazon aufbauen könne. Zugleich sei ein Haushalt aber auch eine äußerst komplexe und persönliche Sache, so dass die Wünsche einzelner Nutzer stark auseinandergehen könnten. 

Zugleich entwickelt Amazon Alexa weiter. Sie solle mehr Persönlichkeit bekommen und werde künftig unter anderem stärker mit eigenen Ansichten versehen, kündigte der Chef des Gerätegeschäfts, Dave Limp, an. So sei ihr Lieblingsbier in den USA Pilsner – und in Deutschland Weißbier. Außerdem werde Alexa zum Beispiel in Amazons Echo-Lautsprechern zurückflüstern, wenn man sie flüsternd anspricht. 

Um die Nutzung von Alexa natürlicher zu machen, wird die Software künftig eigenständig Informationen aus verbundenen Anwendungen anderer Firmen herausfischen. Fragt man zum Beispiel, wie man einen Fleck aus dem Hemd herausbekommt, könne Alexa entsprechende Informationen aus der App eines Waschmittelherstellers vorlesen, erläuterte Limp. Bisher musste man oft den Namen einer Anwendung erwähnen – nach dem Muster, "Alexa, sage App X, dass sie dies oder das machen soll".

Amazon hatte mit den 2014 gestarteten Echo-Geräten und Alexa die Kategorie smarter Lautsprecher mit digitalen Assistenten an Bord überhaupt erst etabliert. Inzwischen ist es ein hart umkämpfter Markt. So versucht Google, seinen Assistant in eigenen und fremden Lautsprechern auf den Markt zu bringen. Und Apple brachte vor einigen Monaten den Lautsprecher HomePod mit seiner Assistentin Siri heraus.