Gefühlt war ja irgendwie jeder mal auf der Cebit (oder zumindest entsteht dieser Eindruck bei ZEIT ONLINE): Manche jobbten dort schon zu Schulzeiten als Hostessen, manche mussten Aufträge vergeben, manche halfen am Imbiss aus, manche berichteten über die einst größte Computermesse der Welt. Aus dieser Zeit sind ganz viele Erinnerungen geblieben. Zum Aus der Cebit erzählen ZEIT-ONLINE-Mitarbeiterinnen und -Mitarbeiter von ihren Erlebnissen.

Schreckgespenst Standdienst

In den Neunzigern hieß das Schreckgespenst der Cebit: Standdienst. Das bedeutete: Menschen erklärten, was das eigene Unternehmen so machte, wie viel die Dienste oder das Produkt kosteten und warum das alles wahnsinnig wichtig sei. Sagte jemand, dass er zur Cebit fuhr, fragte man immer: "Und? Hast du Standdienst?"

Warum das so eine elementare Frage war, wurde mir klar, als ich dort eines Tages einen befreundeten Hacker am Stand seiner Firma vorfand – in Schlips und Kragen. Ich kannte ihn bis dahin nur in Jeans und T-Shirt. Das Bild hat sich mir so sehr eingeprägt, dass ich selbst heute, mehr als 20 Jahre später, immer daran denken muss, wenn er mir begegnet. Tom Lazar, Technik-Mitarbeiter

Erst baggerten sie, dann zeigten sie Fotos von ihren Kindern

Zehn Jahre lang habe ich auf Messen als Hostess gearbeitet. Ich war auf der Anuga, der photokina, der drupa. Sie waren alle großartig. Am besten aber war die Cebit. Sie hatte die besten Partys. Da ging es um die Zukunft, die Aufbruchstimmung war auch abends spürbar.

Am Anfang war ich 16 Jahre alt, die anderen Hostessen ähnlich jung. Wir kochten Kaffee, präsentierten Produkte, standen lächelnd neben Faxmaschinen, lavierten uns mit Urlaubsitalienisch und Schulfranzösisch durch die Verhandlungen. Besser als die Inder, die Kanadierinnen oder die Amerikaner, für die wir arbeiteten, sprachen wir allemal. Vielleicht nannte ich meine Tätigkeit damals deshalb lieber Übersetzerin als Hostess.

Ich liebte die Cebit. Wir wurden fantastisch bezahlt und sehr gut behandelt. Abends lud man uns zum Essen ein. Dass das Mächteverhältnis zwischen mittelalten Geschäftsleuten und sehr jungen Hostessen irgendwie problematisch sein könnte, das dämmerte mir erst später. Solange es dauerte, fühlte ich mich einfach nur ernst genommen und gut behandelt. Die Kanadier gruben einen auch nie an. Anders war das bei den Deutschen. Die ersten Tage auf dem Stand mit den Handelsvertretern waren meist etwas anstrengend. Gerade die, die wenig zu tun hatten, hingen ständig mit den Hostessen rum und gaben mit Businessdeals an. Ab dem dritten Tag änderte sich das. Sie hatten kapiert, dass es nix zu holen gab. Dann fingen sie an, Fotos von den eigenen Kindern zu zeigen.

Irgendwann wurden die Hostessen auf der Cebit verboten. Leider. Wenn Sie mich fragen: Nicht die Branche, sondern dieses Verbot ist am Niedergang der Messe schuld. Judith Luig, Redakteurin in der Ressortgruppe Politik, Wirtschaft und Gesellschaft

Jede Cebit mitgenommen

Ich war als kleiner Junge auf der ersten Cebit mit meinem Vater (als es noch eine Halle auf der Hannover Messe war) und seither jedes Jahr, mehr als 20 Jahre lang, später als Journalist. Jochen Wegner, Chefredakteur von ZEIT ONLINE

Als die Cebit noch Verkehrschaos verursachte

Auf der Cebit war ich nie, aber trotzdem ist sie mir wunderbar vertraut – aus den Verkehrsnachrichten: Ich saß im fernen Ostfriesland, lernte für Abiklausuren und hörte Radio ffn. Jahr für Jahr wurde dort über das Verkehrschaos in Hannover berichtet. Vor allem das Wort "Messeschnellweg" ist mir hängen geblieben. Was für eine irre Logistik die Cebit nach sich zog: Eine vierspurige Kraftfahrstraße wurde regelmäßig morgens und abends in eine gigantische Einbahnstraße verwandelt.

Ich malte mir in buntesten Fantasien aus, was das bedeutete, wenn wieder der Messeschnellweg zu einer Einbahnstraße umfunktioniert wurde. Wie eine Autobahn, auf der alle in die gleiche Richtung fahren. Plötzlich durfte man irgendwie Geisterfahrer sein, und zwar ganz offiziell. Keine Ahnung, wann das das letzte Mal passiert ist. Ich befürchte: nicht mehr wegen der Cebit. Marlies Uken, stellvertretende Leiterin der Ressortgruppe Politik, Wirtschaft und Gesellschaft