Künstliche Intelligenzwerde uns allen das Leben leichter machen: im Joballtag, wenn wir die passende Bewerberin suchen, Termine planen oder Fragen haben, deren Antwort uns auch Chatbots und digitale Assistenten geben können. Vielleicht werden lernfähige Computerprogramme sogar unsere Lieblingsmusik komponieren. So die Vision der einen. Andere sehen in der KI eine Bedrohung. Algorithmen werden uns manipulieren, uns bei der Jobsuche diskriminieren, Roboter eines Tages unsere Berufe übernehmen – uns also letztlich arbeitslos machen.

Zumindest in einem sind sich alle einig: Dass die Technologien, die unter dem Begriff KI zusammenfallen, kommen werden. Wirtschaftsvertreter fordern deshalb Förderung vom Staat, damit Deutschland im Wettbewerb und die KI-Technologie ganz vorne mit dabei ist. Skeptiker wünschen sich mehr Transparenz, was und wie Computerprogramme eigenständig dazulernen, und dass der Technik Grenzen gesetzt werden. Denn je mehr solche neuronalen Netze können, desto gefährlicher wird es, wenn Menschen ihrem Urteil blind vertrauen.

Die Bundesregierung versucht nun, all das in ihrer Strategie Künstliche Intelligenz zu vereinen, die am Donnerstag in Potsdam von Kanzlerin Angela Merkel und Finanzminister Olaf Scholz vor Journalisten vorgestellt wurde. Einerseits soll Deutschland "zum weltweit führenden Standort in der Entwicklung und Anwendung künstlicher Intelligenz" werden, was es nach Aussage von Merkel von sich "bisher nicht sagen" könne. Andererseits müssten Bürgerrechte geschützt sowie "gesellschaftliche Grundwerte und individuelle Grundrechte" in Zeiten künstlicher Intelligenz gewahrt werden. Ein schwieriger Spagat. Wie genau soll das also funktionieren?

Die Eckpunkte des Papiers haben die drei federführenden Ministerien – Wirtschaft, Forschung und Arbeit – schon im Juli bekannt gegeben – damals lasen sich die Pläne noch eher vage. Auch beinhalten die 80 Seiten noch 31-mal die Begriffe "prüfen" oder "überprüfen". Aber dort, wo der Text konkret wird, verrät die Bundesregierung zumindest ein bisschen über ihren eigenen Blick auf die Vor- und Nachteile künstlicher Intelligenz. Hier die wichtigsten Pläne im Überblick.

Arbeitsplätze und Weiterbildung

Welche Jobs könnten durch KI wegfallen? Und was machen diejenigen, deren Arbeitsplatz verloren geht? Expertinnen und Experten versuchen, das zu beantworten. Das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) geht etwa davon aus, dass zwar 1,5 Millionen Jobs bis 2035 überflüssig werden, aber etwa genauso viele neue entstehen könnten. Ähnliche Zahlen nannte Bundesarbeitsminister Hubertus Heil kürzlich der Funke Mediengruppe: Demnach könnten 1,3 Millionen Arbeitsplätze von Maschinen ersetzt werden – der digitale Wandel könne aber auch 2,1 Millionen neue hervorbringen.

Da man für die neuen Jobs anderes können muss als für die alten, müssen sich Menschen weiterbilden oder umgeschult werden. Beschäftigten will die Regierung das ermöglichen und die Kosten teilweise oder vollständig übernehmen. Kleine und mittlere Unternehmen sollen größere Zuschüsse erhalten können. Ein "Deutsches Observatorium für künstliche Intelligenz" soll beobachten, wo und wie KI in den Joballtag übergeht und dafür Leitlinien entwickeln.

Erst einmal klingt all das gut: Die Bundesregierung hat offenbar erkannt, dass Unternehmen oder gar die Arbeitnehmerinnen nicht allein die Kosten dafür tragen können, wenn Maschinen den Arbeitsmarkt umwälzen. Doch wie viel investiert werden soll, wird nicht erwähnt – und zu welchen Bedingungen es Geld gibt, ist nur schwammig formuliert. Wer darf Zuschüsse beantragen? Die Unternehmen? Die Arbeitnehmer?

Zwar ist von einer zügigen Umsetzung der Weiterbildungsstrategie die Rede. Doch zugleich wird erwähnt, dass eben jener Plan erst im Sommer 2019 vorgelegt werden soll. Immerhin: Etwas umsetzen zu wollen, dass noch nicht existiert, ist zumindest ambitioniert.

Konkret wird es interessanterweise in Bezug auf Betriebsräte. Deren frühzeitige Einbindung könne das Vertrauen in die Technologie fördern, heißt es in dem Papier. Die Mitbestimmungsrechte der Mitarbeitervertretungen will die Bundesregierung zum Beispiel in Bewerbungsprozessen sichern: Wenn ein KI-Tool Bewerber aussortieren soll, müsse der Betriebsrat über die Auswahlkriterien mitentscheiden dürfen. Die Detailverliebtheit in diesem Bereich geht so weit, dass sogar einzelne Paragrafen aus Arbeitsgesetzen genannt werden (das ist sonst nur noch an einer weiteren Stelle der Fall).