Bildung

Damit es nachfolgende Generationen einmal einfacher haben, plant die Bundesregierung einen Digitalpakt Schule. "Allen Schülerinnen und Schülern, die ab dem Schuljahr 2018/2019 eingeschult werden, soll bis zum Ende ihrer Schullaufbahn ein umfassender Kanon digitaler Kompetenzen vermittelt werden", darunter Programmierkenntnisse, die "frühzeitig und flächendeckend" gelehrt werden sollen. Noch recht wenig für einen Kanon.

Gelingen kann das zudem nur, wenn Schulen entsprechend ausgestattet, Lehrende entsprechend geschult sind. Derzeit sieht es in beiden Punkten nicht gut aus. Lehrerinnen und Lehrer sollen deshalb ihre digitalen Kompetenzen durch Hackathons, Workshops und Sommerakademien ausbauen – alles wichtige Dinge, die aber wenig mit KI zu tun haben. Und ob solche Kurse Pflicht werden und das Wissen hinterher abgefragt wird? Ob die Kultusministerien das organisieren oder die Schulen selbst? All das bleibt unbeantwortet. Die Bundesregierung verweist indes erneut auf die noch nicht existente, aber geplante nationale Weiterbildungsstrategie.

Forschung

Ein deutliches Zeichen will die Bundesregierung in der KI-Forschung setzen: 100 neue Professuren sollen entstehen – eine stattliche Zahl. Allerdings beantwortet das Strategiepapier nicht, wann sie kommen, wo sie angesiedelt sein sollen, wie viel Geld dafür bereitsteht. Vor allem aber ist offen, wer den Job machen soll. Schließlich sind KI-Expertinnen und Experten nicht nur in Deutschland selten und gefragt.

Dazu sagte Kanzlerin Merkel auf Nachfrage lediglich: Die erste Voraussetzung sei, dass die Professuren geschaffen und ausgeschrieben würden – selbst wenn man nicht die besten Leute finde. Natürlich hat sie in diesem Punkt recht: Wenn es keine Stellen gibt, können sie auch nicht besetzt werden. Allerdings weist Jan Peters, Professor für Autonome Systeme an der TU Darmstadt, darauf hin, dass es derzeit 15 offene Professuren für künstliche Intelligenz gebe und sie seiner Einschätzung nach schon jetzt nicht durch thematisch erfahrene Forscherinnen sowie Forscher besetzt werden könnten.

Ein ähnliches Problem zeigt sich bei der geplanten Einführung weiterer Kompetenzzentren. Vier davon hatte das Forschungsministerium schon im April angekündigt, laut Strategiepapier sollen es nun zwölf werden. Auch dafür braucht es qualifiziertes Personal. Die Ministerien versprechen ein Gesamtpaket, das Fachkräfte nicht nur mit Geld, sondern auch mit Karrieremöglichkeiten wirbt. Nur wie genau das gelingen soll, bleibt unklar.

Hilfe für Unternehmen

In der Wissenschaft kann die Bundesregierung mit dem Deutschen Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz (DFKI) schon jetzt ein weltweit renommiertes Institut vorweisen. Dahinter folgt wenig. In der Wirtschaft sieht es ähnlich mager aus: Nur wenige Unternehmen entwickeln bereits künstlich intelligente Anwendungen. Der Transfer zwischen Forschung und Wirtschaft soll daher verbessert, Firmen bei der Entwicklung unterstützt werden. Zum Beispiel sollen 20 KI-Trainer aus den bestehenden Kompetenzzentren Mittelstand 4.0 (das sind nicht die geplanten KI-Zentren) in kleine und mittlere Unternehmen gehen und "jährlich mindestens 1.000 Unternehmenskontakte erzielen".

Man muss der Bundesregierung eines zugestehen: Mit diesem Ansatz könnte man Unternehmen, die keine Kompetenzen im KI-Bereich besitzen, an die Technologie heranführen. Allerdings wäre die Frage, was für Firmen das wären, welche Voraussetzungen sie mitbringen müssten, woher die Trainerinnen stammen sollen und was so ein Training am Ende bringt. Dass die Verantwortlichen zusätzlich Testfelder und Reallabore entwickeln wollen, ist schön und gut. Nur müssen Unternehmen erst einmal Ideen haben, was sie testen könnten.