Facebook hat in den letzten Jahren aggressive Lobbyarbeit betrieben, um Kritiker abzuwehren, Politiker für sich zu gewinnen und die Konkurrenz zu diskreditieren. Dabei benutzte das Unternehmen, einem Bericht der New York Times vom Donnerstag zufolge, auch rechtsgerichtete Nachrichtenseiten. Die Zeitung beruft sich auf Gespräche mit mehr als 50 Vertrauenspersonen, darunter aktuelle und ehemalige Führungskräfte von Facebook, Politiker und Lobbyisten.

In ihrem jetzt erschienenen Bericht thematisiert die New York Times vor allem die Zusammenarbeit von Facebook mit der Beratungsfirma Definers Public Affairs. Sie habe dafür gesorgt, dass auf konservativen Nachrichtenseiten Artikel erschienen, die die Konkurrenten Apple und Google kritisierten und Facebook in Schutz nahmen – unter anderem gegen den Vorwurf der Wahlkampfmanipulation. Definers versorgte zudem Journalisten mit Informationen über mögliche finanzielle Zuwendungen der Familie des Investors und Philanthropen George Soros an die Initiative Freedom from Facebook. Sie setzt sich dafür ein, dass Facebook zerschlagen wird. George Soros unterstützte Präsidentschaftskandidatin Hillary Clinton und ist bereits für seine Facebookkritik bekannt.

Facebook äußerte sich auf seiner Unternehmenshomepage zu den Vorwürfen: Man habe niemals das Schreiben von Artikel zugunsten von Facebook beauftragt. Die Geschäftsbeziehung mit Definers Public Affairs hat Facebook laut eigenen Angaben inzwischen beendet.

Der Tech-Konzern steht seit der US-Präsidentschaftswahl 2016 in der Kritik: Russland soll mit auf Facebook verbreiteten Falschmeldungen Einfluss auf die Wahl genommen haben. Im März dieses Jahres wurde dann bekannt, dass die Datenanalysefirma Cambridge Analytica die Daten von 87 Millionen Facebooknutzern illegal erworben und damit versucht habe, US-Wähler zu beeinflussen. Zuletzt musste die Plattform zugeben, dass Hacker Zugriff auf etwa 50 Millionen Nutzerkonten hatten.

Dem neuen Bericht zufolge wusste Facebooks Sicherheitsteam schon im Frühjahr 2016 von Aktivitäten russischer Hacker. Statt die Angriffe zuzugeben, entschieden sich Unternehmensgründer Mark Zuckerberg und Geschäftsführerin Sheryl Sandberg aber dafür, die Einflüsse Russlands kleinzureden. Das geschah gegenüber der Öffentlichkeit und auch gegenüber den Ermittlern des US-Senats, schreibt die New York Times. Facebook widersprach den Darstellung auf seiner Homepage: Zwar habe man zu spät auf die russischen Aktivitäten reagiert, in den letzten zwei Jahren jedoch große Fortschritte im Kampf gegen Falschinformation und Manipulation gemacht.

Auch auf amtierende Politiker soll Facebook Einfluss genommen haben. So hätten Facebookmitarbeiter den demokratischen Senator Chuck Schumer durch Wahlkampfspenden überzeugt, sich im Senat für das Unternehmen einzusetzen.