Sundar Pichai - Google kündigt Maßnahmen gegen sexuelle Belästigung an Nach Protesten hat der Konzern neue Praktiken im Zusammenhang mit Sexismus und Rassismus angekündigt. Das Unternehmen will Klagen ermöglichen und Seminare anbieten. © Foto: Marcio Jose Sanchez/AP Photo/dpa

Nach Mitarbeiterprotesten hat Google angekündigt, seine Firmenpolitik zum Umgang mit Vorwürfen sexueller Belästigung zu ändern. "In Zukunft werden wir transparenter mit Beschwerden und Bedenken umgehen", schrieb Konzernchef Sundar Pichai in einer E-Mail an die Mitarbeiter. "Uns ist klar, dass wir einiges ändern müssen."

Der Google-Chef stellte einen "umfassenden Aktionsplan" vor, durch den Angestellte besser unterstützt werden sollen. Die Unternehmensleitung wolle künftig konkreter über die Untersuchungen zu mutmaßlichem sexuellen Fehlverhalten informieren. Zu den Maßnahmen zähle auch, die Mitarbeiter künftig selbst entscheiden zu lassen, ob Fälle von sexueller Belästigung vor privaten Schiedsgerichten ausgetragen werden. Zudem wolle der Konzern ein verpflichtendes Training zu dem Thema erweitern und biete "Live-Support" bei Beschwerden und Bedenken an. 

Vor einer Woche hatten insgesamt rund 20.000 Mitarbeite in etwa 50 Städten weltweit mit vorübergehenden Arbeitsniederlegungen und Kundgebungen gegen sexuelle Übergriffe protestiert. Die Organisatoren warfen der Konzernleitung vor, nicht energisch genug dagegen vorzugehen. "Wir wissen, dass wir in der Vergangenheit nicht immer alles richtig gemacht haben, und das tut uns aufrichtig leid", schrieb Pichai nun in seinem Rundschreiben.

Zuvor hatte die New York Times mehrere mutmaßliche Fälle von sexueller Belästigung durch Google-Angestellte enthüllt und dem Unternehmen vorgeworfen, solche Vorfälle zu kaschieren. Daraufhin hatte Pichai mitgeteilt, dass in den vergangenen zwei Jahren 48 Mitarbeiter wegen Übergriffsvorwürfen entlassen worden seien. In einem Interview mit der Zeitung hatte Pichai sagte zudem gesagt, sein Unternehmen habe bereits in den vergangenen Jahren eine "sehr harte Linie" gegenüber unangemessenem Verhalten eingeführt. Diese sei aber nicht immer richtig umgesetzt worden.

Für besonderes Aufsehen sorgte der von der New York Times enthüllte Fall von Andy Rubin, dem Entwickler des Smartphone-Betriebssystems Android. Er hatte Google 2014 verlassen – laut New York Times wegen sexuellen Fehlverhaltens. Die Zeitung berichtete, das Unternehmen habe Rubin trotzdem eine Abfindung in Höhe von 90 Millionen Dollar (79 Millionen Euro) gezahlt. Rubins Sprecher wies die Übergriffsvorwürfe zurück.