Es kann eine Erfolgsgeschichte werden. Oder die eines großen Betruges. Was bereits feststeht: Die Geschichte des noch nicht existenten Zahlungsmittels Initiative Q ist schon heute ein großer Marketingcoup.

Alles begann im Juni 2018, als der ehemalige Paypal-Mitarbeiter Saar Wilf ein neues Zahlungsnetzwerk startete: Initiative Q. Es sollte die Grundlage für eine neue digitale Währung namens Q bilden. Um möglichst viele Menschen zum Mitmachen zu bewegen, beschlossen Wilf und sein Kollege Lawrence White die Q-Münzen kostenlos auszugeben. Wer interessiert ist, muss auf der Internetseite lediglich Namen und E-Mail-Adresse angeben, dann erhält er eine bestimmte Anzahl an Q. Angemeldete Personen bekommen zusätzlich fünf Codes, mit denen sie ihre Freunde einladen können. Geben die ihre Daten an, muss die angemeldete Person die Identität dieser Menschen verifizieren. Dann gibt es noch mehr Q für die Einladende. Jeder kann mitmachen, ohne großen Einsatz, ohne großes Risiko. Je früher man dabei ist, desto mehr Q erhält man.

Mit dieser Strategie hat Initiative Q nach eigenen Angaben bereits mehr als vier Millionen Menschen weltweit zur Abgabe ihrer Daten gegen ein paar digitale Münzen bewegt. Diese Zahl beeindruckt angesichts der Kürze der Zeit, in der die Macher sie erreicht haben. Sie beeindruckt auch angesichts der Tatsache, dass es noch gar keine Währung Q gibt. Das System selbst sei noch nicht entwickelt, auch keine Testumgebung, heißt es von der Initiative Q gegenüber Mashable. Das Geld soll erst kreiert werden, wenn sich genügend Menschen registriert haben. Eine konkrete Marke, die überschritten werden soll, nennen die Initiatoren nicht, auf der Website heißt es nur, dass es zig Millionen bis Mitte 2019 sein sollen.

Q soll leisten, was Bitcoin bis heute nicht vermag

Die Macher sagen: Nur so könne man das typische Henne-Ei-Problem einer neuen Währung lösen, weil sie dadurch schon vor Entwicklung eine breite Akzeptanz erfahre. Das sei ein Problem, das selbst die bekannteste Kryptowährung der Welt, Bitcoin, bis heute nicht gelöst und deswegen auch nicht genügend Anwender habe; von den hohen Transaktionskosten und den langen Übertragungswegen abgesehen.

Die Kritiker sagen: Initiative Q ist ein Schneeballsystem, das sich durch immer neue Anmeldungen selbst erhält. Noch gebe es kein Produkt, deswegen habe Q als Zahlungsmittel auch keinen Wert. Die Finanzexpertin Michaela Hönig, Professorin für Betriebswirtschaftslehre an der Frankfurt University for Applied Sciences, bezeichnet Q als Spielgeld.

Steckt hinter Q also ein lang ersehntes digitales Zahlungsmittel? Oder ein Betrug?

Tatsächlich sind über die weiteren Pläne des digitalen Zahlungsmittels wenig bekannt. Initiative Q will laut Website eine App bauen, mit der die Nutzerin in Läden oder im Internet bezahlen kann, vergleichbar mit Features von Apple und Google. Multi-Faktor-Verifizierung soll das Konto vor Missbrauch schützen: Fingerabdrücke, Mikrofone, Gesichtserkennung und eben Freunde. Man wolle sich auch der aktuellen Verschlüsselungstechnologien bedienen. Welche genau damit gemeint sind, erklären die Macher nicht. Lokale Agenten sollen das Geld ihrer Kundinnen und Kunden zusätzlich sichern und lokale Geschäfte anbinden. Auch zu diesem Punkt fehlt aber eine genaue Beschreibung.

Die Initiative Q versucht, die Skeptiker mit langen Antworten zu den FAQ auf der Website zu beruhigen. Kurz zusammengefasst: Nein, man baue kein Schneeballsystem, man greife keine Daten ab, es gebe keine Risiken beim Mitmachen. Angesprochen auf den Vorwurf des Schneeballsystems sagt Gründer Wilf auf Vox.com, dass es sich dabei normalerweise um die Verschiebung von Geld handele. Die Rendite, die etwa der Aktionär eines Unternehmens erhält, wird dann mit dem Geld finanziert, das ein neuer Aktionär investiert. Weil es kein Geld gebe, könne es auch nicht von einer Nutzerin zu einer anderen wandern, sagt Wilf. Was er und sein Kollege derzeit betreiben, sei gewöhnliches Marketing.