Ein weiterer hochrangiger Alphabet-Mitarbeiter ist nach Vorwürfen der sexuellen Belästigung aus dem Google-Mutterkonzern ausgeschieden. Der Google-Mutterkonzern Alphabet teilte mit, Richard DeVaul habe die Firma ohne Abfindung verlassen. Die Gründe nannte der Konzern nicht. Die New York Times hatte in der vergangenen Woche berichtet, DeVaul sei vor einigen Jahren gegenüber einer jungen Jobbewerberin zudringlich geworden. Er war in leitender Funktion bei Google X tätig, einem für Forschung und Entwicklung zuständigen Unternehmenszweig.

In dem Bericht werden eine ganze Reihe von Fällen mutmaßlicher sexueller Belästigung durch Google-Angestellte geschildert. Dem Konzern wird vorgeworfen, solche Vorfälle zu vertuschen. Unternehmenschef Sundar Pichai reagierte darauf mit der Erklärung, dass Google eine "immer härtere Linie" gegen derartiges Fehlverhalten verfolge. In den vergangenen zwei Jahren wurden nach seinen Angaben insgesamt 48 Mitarbeiter wegen solcher Vorwürfe entlassen, darunter 13 leitende Angestellte. DeVaul war hier noch nicht mit eingerechnet.

Pichai beteuerte, dass keinem der wegen solcher Anschuldigungen ausgeschiedenen Mitarbeiter eine Abfindung gezahlt worden sei – womit er sich gegen die Darstellung der New York Times wandte. Besonderes Aufsehen erregte der Fall von Andy Rubin, dem Schöpfer des Smartphone-Betriebssystems Android. Er hatte Google 2014 verlassen – der Zeitung zufolge wegen "sexuellen Fehlverhaltens". Dennoch habe das Unternehmen für Rubin ein Abfindungspaket im Wert von 90 Millionen Dollar bezahlt.

Mitarbeiter protestieren weltweit

Alphabet-Chef Pichai entschuldigte sich am Dienstag in einer Botschaft an die Beschäftigten für die mutmaßlichen sexuellen Übergriffe in seiner Firma. Der dadurch entstandene Schmerz tue ihm "aufrichtig leid", zitierte die Branchenwebsite Ars Technica aus seinem Schreiben.

Am Donnerstag legten Tausende Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von Alphabet aus Protest gegen Sexismus, Rassismus und unkontrollierte Macht von Managern im Konzern vorübergehend die Arbeit nieder. Sie fordern unter anderem, dass ein Arbeitnehmer-Vertreter in den Verwaltungsrat aufgenommen und die Bezahlung von Männern und Frauen transparent gemacht wird. Der Protest folgt monatelangen Diskussionen über Gleichberechtigung, Sexismus und mangelnder Diversität bei Alphabet.