Das Urteil des Landgerichts ist noch nicht rechtskräftig. Und geht es nach Apple, wird es das auch nicht werden. "Wir werden Berufung einlegen", sagte ein Sprecher gegenüber ZEIT ONLINE. Die Kampagne von Qualcomm sei "ein verzweifelter Versuch", von den tatsächlichen Problemen zwischen den Unternehmen abzulenken. "Die Vorgehensweise von Qualcomm vor Gericht sowie im täglichen Business schadet Innovation und schadet Verbrauchern", hieß es weiter.

Nach dem Urteil in China hatte die Firma mitgeteilt, dass man sich, sollte man alle Geräte zurückziehen müssen, möglicherweise aus dem Land zurückziehen müsse, was "irreparable Schäden" anrichten könne – auch für andere Unternehmen, weil die weiterhin hohe Lizenzgebühren zahlen müssten. 

Erst Kaution, dann Verkaufsstopp

Qualcomm sieht sich nach dem Münchner Urteil hingegen bestätigt. "Zwei angesehene Gerichte in zwei Gerichtsbarkeiten" hätten nun den Wert der Patente bestätigt und Apple der Patentverletzung schuldig erklärt, hieß es von Qualcomm. Das Unternehmen hatte bereits angekündigt, dass es den fälligen Milliardenbetrag in wenigen Tagen zahlen werde, um einen Verkaufsstopp der iPhones in Deutschland zu erzwingen.

Auf Nachfrage von ZEIT ONLINE, wann genau das Unternehmen die Sicherheitsleistung zahle, wollte eine Sprecherin des Konzerns keine weiteren Angaben machen. Erst wenn diese "Kaution" gezahlt ist, wirkt der Verkaufsbann.

Stellt sich die Frage, was der Qualcomm eigentlich bringen soll. Die älteren Modelle vom Markt zu nehmen, wäre für Apple kein großer Verlust, sagen Marktbeobachter wie der Entwickler Florian Müller. Die neueren iPhones der X-Modellreihe könne das US-Unternehmen ohnehin weiter in Deutschland veräußern. Sie seien nicht einmal viel teurer als frühere Apple-Smartphones. 

Zusätzlich muss das Chipunternehmen nun nicht nur das Geld für die Sicherheitszahlung aufbringen, auch das Berufungsverfahren und die weiteren gerichtlichen Streitigkeiten dürften teuer werden. Mal ganz davon abgesehen, dass ein für Qualcomm positiver Ausgang dieser Prozesse nicht gesichert ist. In Deutschland hat der Chiphersteller mehrere Verfahren gegen Apple angestrengt. Eins wurde bereits abgewiesen, eins ausgesetzt. Sollte Apple im Berufungsverfahren gewinnen, könnten nicht nur 1,3 Milliarden Euro weg sein, sondern sogar noch mehr, denn die derzeitige Summe ist nur eine Schätzung des Gerichts. Die tatsächlichen Kosten könnten noch höher liegen, schreibt Müller.

Selbst wenn der Verkaufsstopp den US-Konzern empfindlich treffen und Qualcomm letztlich recht bekommen sollte, entgeht dem Chiphersteller zumindest aktuell das Geschäft mit einem der wichtigsten Smartphonehersteller der Welt. Vielleicht zeigte sich Firmenchef Steve Mollenkopf zuletzt auch deshalb versöhnlich. Die Konzerne könnten sich bestimmt einigen und künftig weiter zusammenarbeiten, sagte er gegenüber CNBC. Man sei in Gesprächen.  

Apple dementiert das. "Wir haben seit Monaten nicht miteinander gesprochen", hieß es von Unternehmenssprechern. Der Konzern aus Cupertino scheint an einer neuen Strategie zu arbeiten – und zwar ohne Qualcomm. Dem Vernehmen nach basteln die iPhone-Entwickler längst an hauseigenen Mobilfunkmodems, um künftig von sämtlichen Zulieferern und deren Lizenzen unabhängig zu sein.

Korrektur: In einer ersten Version des Artikels hieß es, Qualcomm stamme aus China. Der Chiphersteller hat seinen Hauptsitz aber in San Diego in den USA. Wir bitten, den Fehler zu entschuldigen.