Der Tatverdächtige im Fall des Datenleaks war der Justiz offenbar bereits vorher bekannt. Nach Informationen des Spiegel hatte die Staatsanwaltschaft Gießen bereits in den vergangenen Jahren drei Ermittlungsverfahren gegen Johannes S. eingeleitet. Demnach wird er verdächtigt, Daten ausgespäht und gefälscht zu haben. Die Verfahren sind noch nicht abgeschlossen, sondern wurden der Generalstaatsanwaltschaft Frankfurt am Main übergeben.

Der Spiegel berichtet zudem über Indizien, die eine rechtsextreme Gesinnung des 20-Jährigen nahelegen. Unter dem Namen r00taccess soll er Kommentare veröffentlicht haben wie "islam ist dreck (: wir leben nicht im 6. jahrhundert" oder "so leute jetzt wisst ihr wieso die NSDAP wiederkommen wird". Zudem beschimpfte r00taccess "linksversiffte Gutmenschen" und schrieb: "die AfD wird die ganzen Clans nicht wegkriegen, da braucht man die NPD um ordentlich aufzuräumen".

Die Opfer des Datenleaks könnte S. dem Bericht zufolge ausgewählt haben, weil sich islamfeindliche YouTube-Kanäle, denen er folgte, mit ihnen befasst haben. Der Verdächtige hatte gegenüber den Behörden angegeben, aus Ärger über öffentliche Äußerungen seiner Opfer gehandelt zu haben. Von dem Diebstahl der Daten, die Anfang Dezember in großer Menge im Internet auftauchten, waren zahlreiche Politikerinnen, Politiker und weitere Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens betroffen.

Links zu den Datensätzen wurden über einen mittlerweile gesperrten Twitter-Account verbreitet. Das Bundesinnenministerium sprach am Montag von 50 bis 60 schweren Fällen, in denen größere Datenpakete wie Privatdaten, Fotos und Korrespondenzen veröffentlicht worden seien, sowie rund 1.000 weiteren, bei denen es nach den bisherigen Erkenntnissen überwiegend um reine Kontaktdaten gehe.

Es soll aber auch mindestens fünf frühere Fälle geben, die "einen Bezug zu dem Komplex haben", wie es das Innenministerium formuliert. Darunter soll der Fall eines Abgeordneten sein, der sich im Dezember an das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) gewandt hatte. Vier weitere Betroffene stellten demnach bereits vor den Veröffentlichungen im Internet Strafanzeigen, zwei dieser Fälle seien ebenfalls vom BSI aufgegriffen worden. Erst im Nachhinein sei deutlich geworden, dass die Fälle in Beziehung zu dem jetzigen Datenleak stünden, hieß es vom BSI

Anmerkung der Redaktion: In der Berichterstattung über das Leaken privater Daten von Politikerinnen, Politikern und Prominenten nennt ZEIT ONLINE in aller Regel keine Namen von Betroffenen und trägt keine geleakten Informationen durch Veröffentlichung weiter. Die Daten sind nach derzeitigem Kenntnisstand privater Natur, an ihnen besteht kein öffentliches Interesse.