Entgegen anderslautender Nachrichten – man denke an Hackerangriffe oder Fake-News – ist das Internet gar nicht so schlimm. Manchmal ist es sogar richtig herzerwärmend. Etwa dann, wenn ein Livestreamer Geld für die Rechte von Trans*Menschen sammeln möchte und plötzlich bekannte Spieleentwickler, Chelsea Manning und die derzeit wohl angesagteste US-Politikerin Alexandria Ocasio-Cortez in der Leitung hat.

So geschehen am vergangenen Wochenende. Da kündigte der britische YouTuber und Streamer Harry Brewis, besser bekannt als Hbomberguy, an, vor laufender Kamera das alte Konsolenspiel Donkey Kong 64 komplett zu spielen. Und zwar auf der Plattform twitch.tv, auf der sich Menschen beim Zocken aufnehmen und dabei mit den Zuschauerinnen und Zuschauern chatten. Sein Publikum bat er um Spenden, die er allesamt an die wohltätige Organisation Mermaids weiterleiten wolle. Sie bietet jungen Menschen Beratung und Hilfe an, die sich nicht mit dem ihnen bei der Geburt zugewiesenen Geschlecht identifizieren können, also möglicherweise trans* sind.

Anlass für den Stream waren Aussagen des irischen Comedians und Drehbuchautoren Graham Linehan, der sich in der Vergangenheit vermehrt trans*-feindlich äußerte und zuletzt versuchte, eine Förderung Mermaids' durch die staatliche Lotterie zu blockieren. Brewis wollte einen Gegenpunkt setzen und die Organisation unterstützen.

Game-Streams für den guten Zweck sind keine Seltenheit. Seit Jahren finden auf twitch die Spendenmarathons Games Done Quick statt, bei denen Gelder für wohltätige Zwecke gesammelt werden, während talentierte Spieler und Spielerinnen versuchen, möglichst schnell und fehlerfrei Games zu spielen. Bei der jüngsten Ausgabe von Games Done Quick Anfang Januar kamen in einer Woche 2,4 Millionen US-Dollar zusammen.

Aus 500 Dollar wurden 340.000

Hbomberguy setze sich ein deutlich bescheideneres Spendenziel: Bloß 500 US-Dollar wollte er von seinen Zuschauern und Zuschauerinnen zusammenbekommen. Als er nach fast 58 Stunden (inklusive Schlafpause) den Stream beendete, hatte er 340.000 Dollar, umgerechnet knapp 300.000 Euro, gesammelt. 690.000 Menschen guckten über das Wochenende zu – und das war vor allem der Dynamik von twitch und den sozialen Netzwerken zu verdanken.

Als Hbomberguy am Freitag mit dem Stream begann, schalteten zunächst vor allem seine Fans ein. Sie beobachteten Brewis' Fortschritte in Donkey Kong 64, das er in seiner Kindheit nie durchgespielt hatte. Es war ein gewöhnlicher twitch-Stream: Einer spielte, andere guckten über die Plattform zu und spendeten kleine Geldbeträge. Erst am Samstag bekam die Aktion erste Aufmerksamkeit. Aktivisten und Aktivistinnen, die sich für Trans*Menschen einsetzen, verlinkten den Stream auf Twitter, wodurch auch Prominente wie die Sängerin Cher darauf aufmerksam wurden und ihn mit ihren 3,6 Millionen Followern teilte. Nach 24 Stunden hatte Brewis bereits 50.000 US-Dollar zusammen.

Der Höhepunkt sollte noch folgen. Ab Sonntag spielte Brewis zwar weiterhin Donkey Kong 64, doch wie bei einer Radioshow konnten sich auch andere Menschen in den Stream einschalten, indem sie Brewis über einen Chat-Dienst wie Skype oder Discord kontaktierten. Und das taten einige bekannte Namen. Die Whistleblowerin Chelsea Manning, selbst trans*, gab Donkey-Kong-Tipps, der legendäre Spieleentwickler John Romero (Doom) meldete sich und rief "Trans rights!". Weitere Internetpersönlichkeiten wie der Spielejournalist Jim Sterling und der Erotikautor Chuck Tingle zählten zu den prominenten Gästen und sorgten dafür, dass den Stream teilweise Zehntausende Zuschauer gleichzeitig verfolgten.