Wenn WikiLeaks ein Dokument veröffentlicht, das nicht weiter verbreitet werden soll, ist das ungefähr so, als würde ZEIT ONLINE dazu aufrufen, keine Nachrichten zu lesen. Oder ein Clown sein Publikum anhalten, nicht zu lachen. Oder jemand Franck Ribéry bitten, keine fremden Mütter zu beleidigen. Meistens passiert halt das Gegenteil.

So dauerte es auch nicht lange, bis ein am Sonntag von WikiLeaks an Journalisten und Medien verschicktes Dokument, das WikiLeaks explizit mit den Worten "Nicht zur Veröffentlichung" überschrieb, von einer amerikanischen Journalistin, nun ja, geleakt wurde. Es enthielt die Defamation List v1.2 eine Liste mit rund 140 Formulierungen über WikiLeaks-Gründer Julian Assange, die mutmaßlich "falsch und diffamierend" seien und deshalb nicht verbreitet werden dürften. Vor lauter Schreck, dass interne Dokumente doch tatsächlich geleakt wurden, veröffentlichte WikiLeaks dann ganz offiziell eine zweite, gekürzte Version, die Defamation list v1.3 (was aus der Defamation list v1.1 wurde, ist leider nicht überliefert).

Das Verhalten der Plattform ist so souverän wie der Inhalt des Dokuments. So sei es etwa falsch und diffamierend, zu behaupten, dass Assange "antiamerikanisch" sei und Beziehungen zum, wie es im Englischen heißt, "Kremlin" habe. Es sei ebenfalls falsch, zu behaupten, dass WikiLeaks keine Medienorganisation sei. Oder Assange lediglich "ein Mitglied von WikiLeaks". Oder ein Hacker. Er habe auch noch nie ein Tier vernachlässigt und benutze zum Essen Besteck. Gut zu wissen. Und er sei auch kein Rassist, Pädophiler, Vergewaltiger, Mörder, Kommunist oder Mitglied der Muslimbruderschaft (in dieser Reihenfolge). Und nicht zuletzt stimme es auch nicht, dass Assange stinke oder jemals in einem Keller, in einem Schrank oder unter einer Treppe lebte.

Exklusiv: Noch mehr falsche Aussagen über Julian Assange

Überfällig, dass WikiLeaks mit diesen Mythen endlich einmal bricht. Damit lässt sich nämlich ausschließen, dass Julian Assange in Wirklichkeit Harry Potter ist. Aus Hogwarts erreichten uns heute allerdings Informationen über eine weitere, dritte WikiLeaks-Liste. Erste Inhalte der Defamation List v.1.4 können wir schon leaken:

  • Es ist falsch und diffamierend, zu behaupten, dass Julian Assange nach Borschtsch riecht.
  • Es ist falsch und diffamierend, zu behaupten, dass Julian Assange in vier Folgen von How I Met Your Mother als Double von Neil Patrick Harris auftrat.
  • Es ist falsch und diffamierend, zu behaupten, dass Julian Assange jemals mit einem Känguru geboxt hat und verlor (es war ein Quokka, und er gewann).
  • Es ist falsch und diffamierend, zu behaupten, dass Julian Assange nach den Vergewaltigungsvorwürfen in Schweden die Ikea-Family-Mitgliedschaft verwehrt wurde.
  • Es ist falsch und diffamierend, zu behaupten, dass Julian Assange zwei Jahre lang in einem Pax-Schrank lebte.
  • Es ist falsch und diffamierend, zu behaupten, dass Julian Assange Hillary Clinton auf Instagram folgt (er ist geblockt).
  • Es ist falsch und diffamierend, zu behaupten, dass Julian Assange nicht der alleinige Gründer, Herrscher und Zeugwart von WikiLeaks ist.
  • Es ist falsch und diffamierend, zu behaupten, dass Pamela Anderson nur deshalb Julian Assange besuchte, weil sie Männer attraktiv findet, denen das Wasser bis zum Hals steht.
  • Es ist falsch und diffamierend, zu behaupten, dass Julian Assange ein Brandstifter, Pferdedieb, Pastafari oder Mitglied der Kastelruther Spatzen ist.
  • Es ist falsch und diffamierend, zu behaupten, dass man Julian Assange nicht ohne das englische Wort "Ass" schreiben kann (siehe Джулиа́н Асса́нж).
  •  Es ist falsch und diffamierend, zu behaupten, dass Julian Assange den Kreml(in) disst.
  • Es ist falsch und diffamierend, zu behaupten, dass Julian Assange ein Gremlin ist.
  • Es ist falsch und diffamierend, zu behaupten, dass Julian Assange Tausende Pfund ausgab, um seiner Katze Krawatten zu kaufen.
  • Es ist falsch und diffamierend, zu behaupten, dass Julian Assange das Internet der ecuadorianischen Botschaft in London ausbremst, weil er immer die gleichen vier Folgen von How I Met Your Mother streamt.