Die Betreiber von Wasser-, Gas oder Stromnetzen haben in den vergangenen Monaten mehr IT-Sicherheitsvorfälle gemeldet. Im zweiten Halbjahr 2018 erhöhten sich die Vorfälle der sogenannten kritischen Infrastruktur auf 157, wie das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) bestätigte. Von Juni 2017 bis Ende Mai 2018 waren demnach noch 145 solcher Meldungen registriert worden. Allerdings handelte es sich bei den Vorfällen nicht nur um Hackerangriffe, sondern auch um Meldungen wegen technischer Fehler, wie das Amt erklärte. "Akut und konkret gibt es keinen Hinweis, dass die Zahl der Cyberangriffe in besonderem Maße angestiegen wäre", sagte ein BSI-Sprecher. Die Sicherheitslage im Bereich der kritischen Infrastruktur sei aber nach wie vor auf angespannt hohem Niveau. Zunächst hatte die Welt am Sonntag über den Anstieg berichtet.

Grundsätzlich sei das Sicherheitsniveau der Unternehmen der kritischen Infrastruktur zwar hoch, das könne man aber für viele anderen Unternehmen noch nicht sagen, erklärte das Bundesamt weiter. Die Zusammenarbeit mit den Unternehmen im Rahmen des IT-Sicherheitsgesetzes habe sich aber etabliert. Die Meldungen unterstützten die Behörde dabei, IT-Vorfälle zu analysieren und IT-Sicherheitsmaßnahmen abzuleiten. So können viele andere Unternehmen besser vor konkreten Bedrohungen geschützt werden.

Zu Betreibern kritischer Infrastrukturen werden Organisationen und Einrichtungen aus den Bereichen Energie, Informationstechnik und Telekommunikation, Transport und Verkehr, Gesundheit, Wasser, Ernährung, Finanz- und Versicherungswesen, Staat und Verwaltung sowie Medien und Kultur gezählt. Onlineangriffe, die kritische Infrastruktur wie Kraftwerke lahmlegen, sind ein Schreckensszenario für einen Cyberkrieg. Beim BSI können Konzerne derartige Vorfälle melden. Je nach Größe und Relevanz müssen sie das sogar.

Bei den Attacken auf die Einrichtungen geht es laut Welt am Sonntag in der Regel nicht mehr darum, Geld zu erpressen, sondern um Sabotageakte: den Strom auszuschalten, die Wasserversorgung zu manipulieren oder die Kommunikation zu stören. Die Sicherheitsbehörden vermuteten, dass hinter solchen Angriffen häufig ausländische Nachrichtendienste steckten, hieß es in dem Bericht. Die Bundesregierung will mit einer neuen Agentur für Cybersicherheit den Schutz vor Angriffen im Internet stärken. Angesiedelt werden soll sie in der Region Halle-Leipzig.