Unser Alltag im Internet, er wird nicht mehr sein, wie er war. Die schöne Liedzeile auf Instagram teilen, ein Meme auf Twitter oder den interessanten Zeitungsartikel via Facebook – all das wird nicht mehr so einfach sein. Zumindest dann, wenn das EU-Parlament und die Mitgliedsstaaten der Reform des Urheberrechts zustimmen, wie sie ein finaler Text vorsieht, auf den sich die Verhandlungsführer nun geeinigt haben. Nach Jahren zäher Verhandlungen.

Dass das aktuelle Urheberrecht veraltet ist, darüber sind sich Befürworter wie Kritikerinnen der Reform schon lange einig. Es stammt aus dem Jahr 2000, damals gab es noch nicht einmal Facebook, Twitter oder YouTube. Doch mit diesem Punkt hören die Gemeinsamkeiten der beiden Lager auch schon auf. Knackpunkt des Streits sind zwei Abschnitte: die Artikel 11 und 13, die regeln sollen, wie viel Geld Verlage für Textausschnitte bekommen und wie Plattformen Urheberrechtsverletzungen verhindern sollen, bevor sie passiert sind.

Was dürfen wir noch teilen?

Artikel 11 sieht ein Leistungsschutzrecht (siehe Kasten) für Verlage vor. Was bürokratisch klingt, betrifft letztlich jeden, der im Internet Medienberichte liest oder in Timelines diverser sozialer Netze verfolgt, was andere an News und Artikeln teilen. Denn laut der finalen Fassung der Urheberrechtsreform dürften Suchmaschinen oder Websites künftig keine Titel oder ganze Sätze mehr anzeigen, wenn sie keine Lizenzen von den Rechteinhabern (zumeist: den Verlagen) erworben haben. Wer auf solche Texte online verweisen will, darf dann nur noch einzelne Worte oder kurze Textausschnitte einblenden. Links sind davon zwar ausdrücklich ausgenommen, nicht aber Linkvorschauen, die normalerweise Titel und Teaser eines Artikels gleich mit anzeigen. Wir Nutzer hätten also kaum eine Chance, vor dem Klick zu erfahren, wovon ein geteilter Beitrag genau handelt.

Der zweite strittige Teil der Reform ist der Artikel 13. Er regelt, dass urheberrechtlich geschützte Werke – wie etwa ein Songtext oder ein Filmausschnitt – nicht auf einer Plattform erscheinen dürfen, wenn deren Betreiber keine Lizenz für diese Beiträge besitzt. Bisher lag die Verantwortung, die Rechte einzuhalten, aber allein bei den Nutzerinnen und Nutzern, die die Beiträge teilen. Künftig soll sie bei den Betreibern der Plattformen liegen, auf der sie hochgeladen werden. Und das bedeutet: Die Portale müssen Posts auf mögliche Urheberrechtsverletzungen prüfen, bevor sie erscheinen. Eine technische Lösung dafür wären Uploadfilter – also eine Software, die Beiträge auf mögliche Urheberrechtsverletzungen hin prüft und sie im Zweifel gar nicht erst online gehen lässt. Kommt die Reform, wird vieles von dem, was wir teilen wollen, also vielleicht nie erscheinen.

Rechteinhaber glücklich, alle glücklich?

Eine Kernidee der Reform war, dass sie Rechteinhabern endlich Geld einbringen sollte – die Urheber sollten beteiligt werden am Gewinn, den andere wie etwa Google mit seinem Newsportal und andere Suchmaschinen mit ihren Werken machen. Künstlerinnen, Filmemacher oder Musiker sollten finanziell beteiligt werden, wenn ihre Videos auf YouTube oder anderswo verbreitet werden. Denn in all diesen Fällen sollen die Anbieter solcher Inhalte künftig erst Lizenzen der Urheber erwerben müssen. Der CDU-Politiker und Verhandlungsführer Axel Voss will laut seiner Website die "Ausbeutungsmentalität großer Plattformen" durch diese Form der Vergütung stoppen. Das klingt erst einmal gut. Also Rechteinhaber glücklich, alle glücklich?