Hass gegen Minderheiten ist auf Facebook verboten. Auch terroristische Organisationen und Werbung für sie untersagt das soziale Netzwerk. Das Verbot beinhaltet NSDAP, SS und andere Naziorganisationen. So zumindest steht es in den Gemeinschaftsstandards von Facebook.

Doch trotz dieses Verbots existieren zahlreiche Seiten für SS-Divisionen und die Hitlerjugend, manche mit mehreren Tausend Followern. Auch der Handel mit NS-Devotionalien läuft anscheinend gut im sozialen Netzwerk. Auf dem Facebook-Marktplatz und in Handelsgruppen gibt es Mutterkreuze, Spielzeug-SS-Soldaten, Mitgliedsausweise der Hitlerjugend und andere Gegenstände mit einschlägigen Symbolen zu kaufen.

Der Suchbereich des Marktplatzes schließt höchstens einen Umkreis von 100 Kilometern vom Standort der Nutzerin oder des Nutzers aus ein. Deshalb lässt sich erst mal kaum herausfinden, wo etwa in Deutschland überall NS-Material angeboten wird. Doch allein im Großraum Berlin finden sich mit einer einfachen Suche zwölf Händler, die öffentlich Naziartikel feilbieten.

Auf drei solche Verkaufsangebote mit Hakenkreuzemblemen hat ZEIT ONLINE Facebook über die Meldefunktion des Netzwerkes aufmerksam gemacht. In allen Fällen lautete die Rückmeldung: Es bestehe kein Verstoß gegen Community-Regeln. Erst als das Unternehmen mit diesem Ergebnis konfrontiert wurde, änderte es seine Haltung. Ein Firmensprecher teilte mit, nach der Kontaktaufnahme habe man die gemeldeten Inhalte erneut überprüft und doch Konsequenzen gezogen.

Tatsächlich sind die Seiten inzwischen nicht mehr auf dem Marktplatz verfügbar, auch andere Angebote wurden aus dem Netz genommen. Die Suchbegriffe, mit denen sich zuvor die drei erwähnten Nazianbieter finden ließen, wurden gesperrt. Doch der Markt ist riesig, die gelöschten Shops stellen nur einen kleinen Teil dar.

Manche Händler machen sich strafbar

Der Handel mit NS-Gegenständen ist in Deutschland streng reguliert. Im Strafgesetzbuch verbietet Paragraf 86 den Handel und die Verbreitung von Propagandamitteln verfassungswidriger Organisationen. Das Verbot ist aber nicht absolut. Wenn die Gegenstände und Symbole beispielsweise der Wissenschaft, der Forschung und Lehre oder der Geschichte dienen, darf mit ihnen gehandelt werden. Manche Händler schreiben deshalb dazu, sie würden nur an Personen verkaufen, die sich mit Geschichtsforschung beschäftigen.

Die meisten kleben auch die auf den Gegenständen abgebildeten Hakenkreuze und SS-Runen ab oder überdecken sie auf den Fotos mit Bildbearbeitungsprogrammen durch rote Punkte oder lachende Smileys. Doch finden sich immer wieder auch Angebote, bei denen nichts unkenntlich gemacht wurde. Das ist strafbar – Konsequenzen hat es trotzdem keine. Die Sprecherin der Staatsanwaltschaft Düsseldorf, Britta Zur, teilt mit, dass ihr bisher keine Verfahren gegen Facebook-Händler mit NS-Portfolio bekannt seien.

Unter den Sammlern von Nazidevotionalien sind auch geschlossene Facebook-Gruppen beliebt. In der Community von Chambermilitaria beispielsweise, sie hat 2.590 Mitglieder, findet sich alles: vom Hakenkreuzaufnäher für 500 Britische Pfund bis zum Sportshirt der Hitlerjugend für 350 Pfund. Die Händler kommen aus ganz Europa. In der Gruppe Ww2 Military Items For Sale sind mehr als 26.000 Mitglieder, einige davon aus Deutschland. Auch dort gibt es die ganze Bandbreite, von Material der NS-Propaganda bis zur Ausrüstung der Waffen-SS. Verbotene Symbole werden in beiden Gruppen offen gezeigt.

Manche Menschen gehen gar nicht erst auf den Marktplatz, sondern verkaufen solche Devotionalien direkt über ihre Facebook-Seite. Per Privatnachricht werden die Geschäfte abgewickelt.