Einer der Gründer von Facebook fordert, den Internetkonzern zu zerschlagen. Chris Hughes rief in einem Gastbeitrag für die New York Times die US-Regierung dazu auf, die Dienste Instagram und WhatsApp wieder von Facebook abzuspalten und dem Unternehmen für die nächsten Jahre neue Zukäufe zu untersagen. Facebook sei zu groß und sein Chef Mark Zuckerberg zu mächtig geworden. Hughes verwies auf die US-Tradition, Monopole einzuschränken, "egal wie gut es das Management meint". Er selbst hat das Unternehmen vor über einem Jahrzehnt verlassen.

Zuckerberg habe mit den Aufkäufen einen Giganten geschaffen, der jeden Wettbewerb in der Branche ersticke und die Auswahlmöglichkeiten der Verbraucher beschränke, erklärte Hughes. Er warf Zuckerberg vor, allein auf Wachstum zu setzen und damit "Sicherheit und Anstand der Anzahl von Klicks" geopfert zu haben.

Nach Hughes' Angaben kann Zuckerberg allein über die Konfiguration der Facebook-Algorithmen bestimmen. Diese legen fest, was die Nutzerinnen und Nutzer als Erstes auf ihrer Facebook-Seite sehen oder welche Datenschutzeinstellungen sie nutzen können. Diese einseitige Kontrolle sei der "problematischste Aspekt von Facebooks Macht", schrieb Hughes. Zuckerbergs Möglichkeit, "die Unterhaltungen von zwei Milliarden Menschen zu überwachen, zu organisieren und sogar zu zensieren" sei beispiellos.

Um das zu ändern, müsse die US-Regierung nur zwei Dinge tun, forderte Hughes: Sie müsse Facebooks Monopol aufbrechen und dafür sorgen, dass das Unternehmen stärker zur Rechenschaft gezogen werde. 

Zuckerberg in Paris

Facebooks Kommunikationschef Nick Clegg – der früher Vizepremierminister in Großbritannien war – sprach sich in einer ersten Reaktion gegen die Zerschlagung "eines erfolgreichen amerikanischen Unternehmens" aus. Stattdessen sei eine sorgfältige Einführung neuer Regeln für das Internet notwendig. Genau das fordere auch Zuckerberg. Der Konzernchef trifft sich an diesem Freitag in Paris mit Frankreichs Präsident Emmanuel Macron, um mit ihm über den Kampf gegen Hass im Internet zu sprechen.

Facebook war wegen mehrerer Datenschutzpannen in Europa und den USA in die Kritik geraten. Derzeit untersuchen US-Behörden Vorwürfe, denen zufolge das Netzwerk unzulässigerweise Daten von 87 Millionen Nutzern weitergegeben haben soll. Mutmaßlich wurden die Daten im US-Präsidentschaftswahlkampf durch die britische Firma Cambridge Analytica missbraucht, um den damaligen Kandidaten Donald Trump zu unterstützen. Der Fall sei für ihn persönlich der Weckruf gewesen, schrieb Hughes. Die demokratische US-Senatorin Elizabeth Warren, die sich gegenwärtig um die Präsidentschaftskandidatur ihrer Partei bewirbt, will im Falle eines Wahlsieges die großen Tech-Konzerne zerschlagen.

Zuckerberg hatte jüngst angekündigt, Facebook stärker auf private und verschlüsselte Kommunikation auszurichten, die auch das Onlinenetzwerk nicht mitlesen könne. Dafür soll auch eine gemeinsame technische Infrastruktur für WhatsApp, Facebooks zweiten Chatdienst Messenger und für die Mitteilungsfunktion von Instagram geschaffen werden. Hughes schloss sich der Meinung an, dass dies eine Zerschlagung erschweren würde. Deswegen sei es wichtig, jetzt schnell zu handeln.