Holger Schulze, Kulturwissenschaftler und Professor für Musikwissenschaft an der Universität Kopenhagen © Michael Pfister

Sie sagen uns das Wetter in Hamburg voraus, verraten uns den Namen der Hauptstadt von Malaysia oder spielen unsere Lieblingsmusik ab: Digitale Sprachassistenten sollen unseren Alltag erleichtern. Zur Steuerung reicht allein die Stimme – einen Knopf oder Touchscreen braucht es nicht. Bis 2021 soll die Zahl der Geräte mit Sprachsteuerung die der Menschen auf diesem Planeten übersteigen, prognostiziert die US-Beratungsfirma Ovum.

Bisher machen uns die Geräte aber oft noch wahnsinnig, weil sie unsere Anweisungen nur halb verstehen und Dialoge mit ihnen nahezu unmöglich sind. Und so ganz wohl fühlen sich viele Menschen auch nicht damit, ein dauerhaft lauschendes Gerät im Wohnzimmer stehen zu haben.

Was bedeutet das für uns? Was macht die Kommunikation mit den Assistenten mit unserer Kommunikation untereinander? Wer hört wann mit? Wie verändert sich unser Frauenbild, wenn uns die Assistenten fast alle mit weiblichen Stimmen bedienen? Und wer domestiziert hier eigentlich wen – der Mensch die Maschine oder die Maschine den Menschen?

Die neue Folge des ZEIT-ONLINE-Digitalpodcasts Wird das was? beschäftigt sich mit Chancen, Risiken und gesellschaftlichen Auswirkungen dieser Technologie. Zu Gast ist Holger Schulze, Kulturwissenschaftler und Professor für Musikwissenschaft an der Universität in Kopenhagen. Er forscht zu akustischer Sensorik, auch mit Hinblick auf die Schnittstelle Mensch-Maschine.

Schulze ist überzeugt davon, dass Sprachassistenten bald schon in der Lage sein werden, auch Zwischentöne zu verstehen – einfach, weil das für die Herstellerfirmen von Interesse sei. Die Geräte seien allerdings nicht mit Gesprächspartnern zu verwechseln. "Wir müssen uns klarmachen, dass wir gar kein Gespräch führen", sagt er im Gespräch mit den ZEIT-ONLINE-Redakteurinnen Meike Laaff und Lisa Hegemann: De facto würde man ein ähnliches Ergebnis ausgeworfen bekommen, wie wenn man ein paar Stichworte in ein Textfeld eingeben würde. "Es geht nicht darum, freundlich zu ihnen zu sein oder ihnen zu dienen" – denn zwischen Spracheingabe und Sprachausgabe stehe das Warenhaus, das Produkte, Dienstleistungen und Datenbankzugänge verkaufen wolle.

Die Befürchtung, dass die Nutzung von Sprachassistenten Kinder und Jugendliche verziehe und ihren Ton verrohe, teilt Schulze nicht. "Kinder spielen mit allem, was in der Welt ist", sagt er. Doch im Umgang mit Sprachassistenten treffe die "helikopterelterliche Vision der umfassend geschützten Kindheit" auf völlig ungehemmten Zugang zu Informationen und Dienstleistungen. Vom Wegsperren der Geräte oder Verboten hält er allerdings wenig, das seien oft nur Anreize. "Kinder sollten lernen, mit diesen Geräten umzugehen", sagt Schulze. 

Er erklärt auch, warum Sprachassistenten uns zurück in die Zeit der Dienstboten bringen, wie unser Frauenbild von der Dienstmagd-artigen Kommunikation eines Sprachassistenten geprägt wird und warum es sich wie sozialer Betrug anfühlt, dass die Techunternehmen Sprachaufnahmen von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern auswerten lassen.

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