Facebooks Kryptowährung Libra plant, bei der Schweizer Finanzmarkt-Aufsichtsbehörde Finma eine Lizenz für ihr digitales Zahlungssystem zu beantragen. Die Libra Association teilte mit, sie habe die Finma um eine Einschätzung des Projektes gebeten, um den aufsichtsrechtlichen Status zu klären. Die Aufsichtsbehörde bestätigte die Anfrage. Demnach fragt die Libra Association unter anderem nach einer Beurteilung der geplanten Ausgabe einer sogenannten Stable Coin.

Die Behörde teilte mit, dass das Projekt nach dem aktuellen Konzept eine Bewilligung als Zahlungssystem nach Schweizer Recht erfordere. Es wäre damit auch dem Geldwäschegesetz unterstellt. Wegen der Ausgabe eigener Zahlungstoken würde Libra zudem klar über ein reines Zahlungssystem hinausgehen und deswegen zusätzlichen Anforderungen unterliegen.

 "Wir arbeiten an einem konstruktiven Dialog mit der Finma", sagte Diante Disparte, Pressesprecher von Libra. Man halte seit der Bekanntgabe des Projektes vor drei Monaten an dem Prinzip fest, dass ein technologisch getriebener Finanzdienst und starke Standards der Regulierungsaufsicht nicht miteinander konkurrieren müssen.

Libra ist ähnlich wie Bitcoin eine sogenannte Kryptowährung. Sie existiert nur digital und basiert auf einer sogenannten Blockchain. Das ist eine Art digitales Kassenbuch: Alle Überweisungen sind in Form einzelner Blöcke abgelegt, sie enthalten keine Hinweise auf die Identität von Senderinnen und Empfängerinnen. Blockchains können sich in ihrer Struktur unterscheiden. Wie die Blockchain, auf der Libra aufgebaut ist, technisch aussieht, wird in einem eigenen White Paper ausführlich erklärt. Ab 2020 soll es offiziell möglich sein, mit der Digitalwährung Libra zu bezahlen.

Politikerinnen und Politiker sowie  Vertreterinnen und Vertreter von Notenbanken haben starke Vorbehalte gegen Kryptowährungen wie Libra. Im Juli forderte die Gruppe der sieben führenden Industriestaaten (G7), dass Digitalwährungen den höchsten Aufsichtsstandards genügen müssen und die Stabilität des Finanzsystems nicht gefährden dürfen. Am Dienstag hatte die im US-Finanzministerium zuständige Unterstaatssekretärin Sigal Mandelker von Kryptowährungen die höchsten Standards im Hinblick auf die Bekämpfung von Geldwäsche und Terrorfinanzierung gefordert.