Twitter hat der Partei des britischen Premierministers Boris Johnson vorgeworfen, die Öffentlichkeit im Wahlkampf getäuscht zu haben. Die Pressestelle der britischen Regierungspartei hatte ihren Account "CCHQPress" während der TV-Debatte im Wahlkampf zwischen Johnson und Labourchef Jeremy Corbyn in "factcheckUK" umbenannt. Dazu wurden Beschreibung und Titelbild geändert, sodass diese unabhängigen Faktencheckseiten ähnelten. Nach dem Ende der Debatte im Fernsehsender ITV und nach Protesten wegen der neuen Bezeichnung benannte die Pressestelle ihren Account wieder in den ursprünglichen Namen um.

Über das Konto wurden während der Debatte Grafiken veröffentlicht, die Aussagen von Johnson unterstützten und jene von Labourchef Corbyn infrage stellten.

Twitter kündigte laut BBC an, im Wiederholungsfall "entscheidende Gegenmaßnahmen" zu ergreifen. Twitter habe globale Regeln, die Irreführung verbieten. Jeder weitere Versuch, Menschen durch die Bearbeitung von Konten zu täuschen – wie während des TV-Duells geschehen – werde ernste Konsequenzen haben.

Großbritannien - Boris Johnson und Jeremy Corbyn liefern sich TV-Duell zum Brexit Kurz vor der Neuwahl trafen Premierminister Johnson und Oppositionsführer Corbyn in einem TV-Duell aufeinander. Dabei warfen sie sich falsche Versprechungen vor. © Foto: Itv/dpa

Die unabhängige Organisation Full Fact schrieb auf Twitter: "Es ist unangemessen und irreführend für die Pressestelle der Konservativen, ihren Twitter-Account umzubenennen." Dies könne leicht mit Faktencheckdiensten wie Full Fact oder Fact Check verwechselt werden.

"Man kann ihnen kein Wort glauben"

Die Labourpartei sprach von einem "lachhaften Versuch" der Tories, die Zuschauer zu überlisten. "Man kann ihnen kein Wort glauben." Der Vorsitzende der Konservativen James Cleverly wies in einem BBC-Interview hingegen den Vorwurf der Irreführung zurück.

Erst kürzlich waren die Konservativen wegen eines manipulierten Videos kritisiert worden. Der als eloquent bekannte Labourpolitiker Keir Starmer war in einem Clip zu sehen, in dem er auf die Frage eines TV-Moderators zum Brexit völlig ratlos in die Kamera blickt und schweigt. Aufzeichnungen der Sendung beweisen aber, dass Starmer sofort eine Antwort parat hatte.

Die Briten werden am 12. Dezember ein neues Parlament wählen. Laut einer Blitzumfrage des Meinungsforschungsinstituts YouGov war das Publikum in ungefähr gleiche Teile in der Frage gespalten, wer das Duell für sich entscheiden konnte. Für Johnson, der als klarer Favorit in die Auseinandersetzung gegangen war, dürfte das eine Enttäuschung sein.