Martin Emmer ist Professor für Publizistik- und Kommunikationswissenschaften an der Freien Universität in Berlin. © Michael Pfister für ZEIT ONLINE

Schon vor den Präsidentschaftswahlen 2020 in den USA steht Facebook wieder im Fokus: Politische Werbung darf auf dem sozialen Netzwerk auch falsche Informationen enthalten. Facebook will die Werbung weder verbieten noch korrigieren: Es sei nicht die Aufgabe des Dienstes, in die Reden von Politikerinnen und Politikern einzugreifen, heißt es in einem Blogpost. Eine Haltung, die dem Netzwerk viel Kritik einbrachte. Denn spätestens seit dem amerikanischen Wahlkampf 2016 stehen Fake-News im Verdacht, Bürgerinnen und Bürger, Meinungen und politische Diskurse zu beeinflussen.

Aber ist das so? Wie beeinflussen uns falsche Informationen überhaupt? Und wo zieht man die Grenze zwischen einer Fake-News und einer überspitzten Meldung, die aber noch einen wahren Kern enthält? Welche Rolle spielen Messenger wie WhatsApp oder Signal bei der Verbreitung von Desinformation? Wie können wir Nutzerinnen und Nutzer der Fake-News-Falle entkommen? Kann man von jeder und jedem verlangen, ständig Fakten zu checken?

Martin Emmer ist Professor für Publizistik- und Kommunikationswissenschaften an der Freien Universität in Berlin und Gründungsdirektor des vom Bundesforschungsministerium geförderten Weizenbaum-Instituts für die vernetzte Gesellschaft. Er forscht unter anderem zu Hass im Netz und zu Propaganda in den sozialen Medien. Menschen läsen etwas und glaubten es dann einfach – das sei die klassische Vorstellung von Medienwirkung, sagt Emmer im ZEIT-ONLINE-Digitalpodcast Wird das was?. Die öffentliche Debatte sei in dieser Hinsicht sehr hysterisch. Tatsächlich lehnen wir Botschaften häufig ab, die nicht unserer Meinung entsprechen.

Dennoch könnten Fake-News einen Effekt haben: Sie könnten uns in unserer bestehenden Meinung bestätigen, sagt Emmer. Und die Debatte um Fake-News kann seiner Einschätzung nach die gesellschaftliche Spaltung vorantreiben. Dass US-Präsident Donald Trump alle Kritikerinnen und Kritiker mit dem Vorwurf von Fake-News überziehe, sei eine Strategie, um die eigenen Anhängerinnen und Anhänger zu immunisieren, so der Wissenschaftler. Sie müssten sich so gar nicht mehr mit inhaltlicher Kritik an Trump auseinandersetzen – sie könnten sie einfach als Fake-News diskreditieren.

Gerade weil "Fake-News" heute so ein Kampfbegriff sei, spricht Martin Emmer lieber von Desinformation. Im Digitalpodcast erklärt er, warum falsche Informationen in Messengern wie WhatsApp oder Signal ein Problem darstellen, wieso Plattformen nicht das Problem sind, man ihnen aber trotzdem nicht die Verantwortung überlassen sollte – und warum er nicht immer zu einem Faktencheck raten würde.

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