Ivanka Trump bekleidet viele Rollen. Sie ist Wirtschaftswissenschaftlerin, Politikberaterin, Unternehmerin, Model, Autorin, Mutter und, wie es heißt, die Lieblingstochter des aktuellen US-Präsidenten Donald Trump. Als besondere Technologieexpertin ist sie bisher nicht in Erscheinung getreten. Und doch ist sie nun als Keynote-Speakerin auf eine der größten Technikmessen der Welt eingeladen, auf die Consumer Electronics Show (CES) in Las Vegas.

Die Bekanntgabe sorgte in der Szene für Empörung. Frustrierend sei das, schrieb die Forbes-Kolumnistin Carolina Milanesi, es sende die falsche Botschaft. Sie erwarte, dass die Keynote genauso sinnlos sei, wie sie klinge, twitterte die Techjournalistin Kara Swisher. Die Unternehmerin Rachel Sklar wurde noch deutlicher: "Was für eine Beleidigung", schrieb sie auf Twitter. Seit Jahren protestiere man für mehr Frauen als Keynote-Speakerinnen, nur um gesagt zu bekommen, dass es ein "pipeline problem" gebe – dass eben nicht genügend Frauen Studiengänge mit technologischem Schwerpunkt absolvierten. Und nun wird eine Frau als eine der Hauptsprecherinnen zur CES eingeladen, die nicht einmal ein bisschen technologische Expertise mitzubringen scheint. 

Man muss dazu sagen, dass Ivanka Trump nicht als einzige Frau prominent auf der CES spricht. Und dass sie in ihrem Talk mit dem Titel The Path to the Future of Work möglicherweise einen interessanten Außenblick auf die Techindustrie geben kann. Trotzdem dürfte sie vor allem ausgewählt worden sein, weil ihr Auftritt große Medienaufmerksamkeit verspricht. Schade eigentlich, dass die CES diese Aufmerksamkeit nicht anderen Frauen geschenkt hat, die sich einen Ruf in der Technikbranche erarbeitet haben. Zum Beispiel diese hier:

Daphne Koller

Die Informatikerin Daphne Koller (Archivbild) © Steve Jennings/​AFP/​Getty Images
  • Professorin für Computerwissenschaft an der Stanford University
  • wissenschaftliche Ergebnisse mehr als 80.000-mal auf Google Scholar zitiert
  • Gründerin der Lernplattform Coursera und der Medizintechnikfirma Insitro

Künstliche Intelligenz ist derzeit ein Trendthema, natürlich auch auf der CES in Las Vegas. Daphne Koller hätte da bestimmt einiges zu erzählen, denn sie ist eine der führenden Wissenschaftlerinnen zu diesem Thema. Schon 2008 schrieb die New York Times über sie: Ihre Forschung zu KI habe dazu beigetragen, das Thema aus Science-Fiction und Spekulation herauszulösen und in eine technische Disziplin zu verwandeln. Seitdem hat Koller zwei Unternehmen gegründet, bei der Alphabet-Tochter Calico gearbeitet und ist zur Informatik-Professorin an der renommierten Stanford University ernannt worden.

Angela Ahrendts

Sie weiß, wie man Dinge verkauft: Angela Ahrendts © Ilya S. Savenok/​Getty Images
  • Vorstandsmitglied bei Airbnb
  • ehemalige Einzelhandelschefin von Apple
  • ehemalige CEO des Modelabels Burberry

Wer den Wert von Angela Ahrendts kennen will, der muss sich nur ihr letztes Jahresgehalt 2018 bei Apple ansehen: Mit 26,5 Millionen US-Dollar verdiente die studierte Marketerin nicht nur mehr als viele Dax-Chefs, sondern sogar mehr als Apple-Chef Tim Cook. Fünf Jahre lang gestaltete sie die stationären Geschäfte des Unternehmens. Zuvor war sie acht Jahre lang als Chief Executive Officer (CEO) Topmanagerin der Modemarke Burberry. Seit 2019 ist sie Vorstandsmitglied der Ferienwohnungsplattform Airbnb. Auf der CES geht es traditionell um neue Produkte, Gadgets und Trends. Und wie man die gut verkauft, darüber hätte sie in einer Keynote einiges erzählen können.

Safra Catz

Safra Catz ist seit 2014 CEO von Oracle. © Justin Sullivan/​Getty Images
  • Oracle-Chefin
  • im Verwaltungsrat der Walt Disney Company
  • ehemalige Bankerin

Safra Catz steht seit 2014 an der Spitze des traditionsreichen Softwareunternehmens Oracle. Zuvor war sie mehrere Jahre dessen Chief Technological Officer (CTO). Seit Jahren gehört sie zu den bestbezahltesten Frauen in der Techbranche – und zu den einflussreichsten. Das zeigt sich auch darin, dass sie nach der Wahl von US-Präsident Donald Trump für einen Regierungsposten in Betracht gezogen wurde. Dass es nicht so weit kam, ist aus ihrer Sicht vermutlich ein Glücksfall. Die CES könnte sie mit ihrer Erfahrung bereichern: Sie empfiehlt jungen Gründern, Gründerinnen und Uni-Absolventen nämlich, nicht jedem Trend blind hinterherzulaufen, sondern zuerst ein richtiges Geschäftsmodell zu finden. Etwas, das vielen Start-ups, die auf der CES ihre Ideen vorstellen, fehlt.