Facebook hat bekannt gegeben, keine größeren Veränderungen an seiner politischen Werbepraxis vornehmen zu wollen, teilte das Unternehmen mit. Facebook wolle selbst politische Werbung, die nachweislich Lügen enthält, weiter anzeigen, berichtete die New York Times unter Berufung auf die Mitteilung. Nach Angaben des Unternehmens erhalten die Nutzerinnen und Nutzer aber eine größere Kontrolle über die Werbung, die ihnen angezeigt wird.

Den Angaben zufolge sollen die Nutzerinnen und Nutzer von Facebook und Instagram angeben können, weniger politische Werbung erhalten zu wollen. Ähnliches bietet die Plattform bereits für das Anzeigen von bestimmten Themen an. Außerdem kündigte Facebook eine größere Transparenz von Werbung in seiner sogenannten Werbebibliothek an, wo künftig neben dem Auftraggeber der Anzeigen auch die potenzielle Reichweite nachvollziehbar sein soll.

Das Unternehmen steht seit Monaten in der Kritik für seine Werbepraxis – es beruft sich dabei auf die Meinungsfreiheit. Kritikerinnen monieren, dass bezahlte Reichweite nichts mit Meinungsfreiheit zu tun habe.

Ende des vergangenen Jahres hatte Twitter angekündigt, keine Plattform mehr für politische Werbeanzeigen bieten zu wollen und sich damit von Facebook abgesetzt. Facebook-Chef Mark Zuckerberg hatte hingegen erklärt, in seinem Netzwerk allen eine Stimme geben zu wollen. Für noch unbekannte politische Kandidaten und Gruppen sei die Reichweitenvergrößerung durch Anzeigen wichtig, sagte er. Außerdem sei es schwer, eine Grenze zu ziehen, was erlaubt und was verboten sei.

Auch am sogenannten Mikrotargeting für politische Anzeigen will Facebook festhalten: So können Kampagnen auf einen bestimmten Teil der Facebook-Nutzer ausgerichtet werden. Nach Ansicht von Kritikern ist das ein ideales Instrument, um spaltende oder irreführende Informationen zu verbreiten. Google hatte diese Möglichkeiten, gezielt Wahlwerbung zu platzieren, bereits eingeschränkt. 

Facebook kritisiert eine mangelnde Gesetzgebung für politische Werbung. Aufgrund fehlender Vorschriften müssten Facebook und andere Unternehmen ihre eigenen Richtlinien entwerfen, so komme es zu der unterschiedlichen Ausgestaltung.