Das Onlinebewertungsportal Yelp darf seine in Sternen ausgedrückte Gesamtbewertung von Unternehmen weiter auf eine automatisierte Auswahl stützen. So urteilte der Bundesgerichtshof (BGH) in Karlsruhe im Streit zwischen einer Betreiberin mehrerer Fitnessstudios und der Bewertungsplattform. Die ehemalige Weltmeisterin im Bodybuilding und Fitnessstudiobetreiberin Renate Holland hatte gegen das Bewertungsportal geklagt, da sie das Benotungssystem unfair fand. Holland hatte zuvor vor dem Oberlandesgericht (OLG) München geklagt und 2018 Recht bekommen. Die Richter hatten entschieden, durch das Aussortieren vieler Bewertungen entstehe kein hilfreiches, sondern ein verzerrtes Gesamtbild. Holland wurde Schadenersatz zugesprochen. Zudem wurde Yelp untersagt, ihre Studios weiter nach dem bisherigen Verfahren zu bewerten.

Durch die Entscheidung des BGH wird das Urteil des OLG aufgehoben. Nach Überzeugung des BGH-Senats überwiegen die rechtlich geschützten Interessen der Klägerin nicht die schutzwürdigen Belange von Yelp. Die Einstufung von Bewertungen, die auf Yelp gemacht werden, in "empfohlen" und "nicht empfohlen" sei durch die Berufs- und Meinungsfreiheit geschützt. "Ein Gewerbetreibender muss Kritik an seinen Leistungen und die öffentliche Erörterung geäußerter Kritik grundsätzlich hinnehmen", sagte der vorsitzende Richter Stephan Seiters.

Gefälligkeitsbewertungen und Fälschungen sollen aussortiert werden

Nutzer können bei Yelp Restaurants, Dienstleister und Geschäfte bewerten. Dabei sind ein Stern bis fünf Sterne zu vergeben, außerdem kann man einen Text schreiben. In die Gesamtbewertung fließen aber nicht alle Beurteilungen ein. Eine automatisierte Software identifiziert dafür die "empfohlenen Beiträge", die Yelp für besonders hilfreich oder authentisch hält. Zu den Auswahlkriterien gehören laut Yelp beispielsweise die Qualität, die Vertrauenswürdigkeit und die bisherige Aktivität des Nutzers. Der Filter soll Gefälligkeitsbewertungen und Fälschungen aussortieren. Aber auch Beiträge von Nutzern, die man nicht gut genug kenne und daher nicht empfehle, werden aussortiert.

"Meine Studios leiden darunter", so Klägerin Holland im vergangenen November. "Und ich lasse mir auch nicht meine gute Arbeit kaputt machen und mein Lebenswerk. Die kennen doch ihren eigenen Algorithmus nicht", sagte sie zur Verhandlung.

Yelp teilte mit, dass im Durchschnitt drei Viertel aller Beiträge als empfohlen eingestuft würden. Bei Holland allerdings wurde im Februar 2014 eines ihrer Studios auf Grundlage von nur zwei Bewertungen mit zweieinhalb Sternen benotet. 74 überwiegend sehr positive Beiträge blieben unberücksichtigt. Normalerweise hätte sie vier bis viereinhalb Sterne in jedem Studio, sagte Holland. Beiträge, die Yelp nicht empfiehlt, können weiterhin gelesen werden. Dazu müssen Nutzerinnen und Nutzer auf der Seite nach unten scrollen und dort einen Link anklicken.

Nach Angaben von Yelp-Anwalt Stephan Zimprich gehen andere Anbieter ebenso vor. Es sei wichtig, dass ein Mechanismus existiere, der die Guten von den Schlechten trenne. "Ansonsten wäre der Verbraucher der Manipulation im Internet schutzlos ausgeliefert." Nur wenige der Kriterien, nach denen "empfohlene Beiträge" ausgewählt werden, macht Yelp öffentlich. Laut Zimprich ginge dies auch nicht anders. "Wenn ich weiß, wie gefiltert wird, kann ich dafür sorgen, dass auch manipulierte Beiträge so manipuliert sind, dass sie durch den Filter durchkommen."