Angeklagte sitzen im Gerichtssaal neben ihrem Verteidiger, um sich mit ihm beraten zu können. So will es das Verständnis eines fairen Prozesses in Demokratien. Nur in seltenen Fällen, wenn der Beschuldigte als wahrhaft gefährlich gilt oder wenn befürchtet werden muss, dass jemand ihn angreifen könnte, wird er in einen Kasten aus Panzerglas gesperrt und von seinen Anwälten getrennt.

Für einen geplanten Anschlag auf Julian Assange gibt es keine Hinweise. Die britische Gerichtsbarkeit muss ihn demnach für einen Terroristen halten. Im Westminster Magistrates Court, wo eine Woche lang über seine Auslieferung an die USA verhandelt wurde, saß er jedenfalls die ganze Zeit hinter einer solchen Glaswand.

Assange und seine Anwälte hatten dagegen offiziell protestiert. Er habe aufgrund der schlechten Akustik Mühe, der Verhandlung gegen ihn zu folgen, hatte Assange mehrfach gesagt. Außerdem könne er nicht mit seinen Anwälten reden, sich nicht mit ihnen beraten. An einem Punkt des Streits darum war Assange selbst in seinem Glaskasten aufgestanden und hatte gesagt: "Das Problem ist, dass ich in meiner Lage nicht angemessen vertreten werden kann." Daraufhin hatte ihn die Vorsitzende Richterin Vanessa Baraitser angewiesen, sich nicht selbst zu äußern und seine Anwälte für ihn sprechen zu lassen. Assanges Antwort: "Genau das ist das Problem, das kann ich nicht."

Julian Assange - Was hat dieser Mann getan? Mit Wikileaks enthüllte Julian Assange potenzielle Kriegsverbrechen der USA, mischte selbst politisch mit. Nun drohen ihm 175 Jahre Haft. Was hat dieser Mann getan? © Foto: Jack Taylor/Getty Images

Richterin lässt Assange hinter Glas

Selbst die Ankläger aus den USA hätten nichts dagegen gehabt, wenn Assange neben seinen Anwälten Platz genommen hätte, wie sie sagten. Doch die Vorsitzende Richterin sah sich nicht in der Lage, das zu gestatten. Sie lehnte den entsprechenden Antrag der Verteidigung ab. Dieses Risiko könne sie nicht tragen, sagte sie nach Darstellung mehrerer Prozessbeobachter und -beobachterinnen. Sie könne lediglich Unterbrechungen der Verhandlungen gewähren, damit sich Assange in diesen Pausen beraten könne. Wenn nötig stündlich.

Der absurd wirkende Streit vor dem britischen Gericht zeigt, dass Assange – nur weil er geheime Regierungsdokumente veröffentlichte und so auf Missstände aufmerksam machte – offenbar für einen gefährlichen Staatsfeind gehalten wird.

Ursprünglich sollte die erste Anhörungswoche allein dazu dienen, alle neuen Ermittlungsergebnisse und Erkenntnisse zu präsentieren. Dafür waren von Montag bis Freitag Termine geplant. Und so hatte die Anklage ihre Sicht dargelegt, dass sich Assange in ihren Augen der Verschwörung zum Diebstahl geheimer Dokumente und des Hackens von Computersystemen schuldig gemacht hatte – nach Ansicht von US-Vertreter James Lewis ein Verbrechen, dass nicht mit der Veröffentlichung der Dokumente entschuldigt werden könne. Assange dürfe nicht mit einem politischen Flüchtling verwechselt werden. Damit zementierte die US-Seite ihre Perspektive, Assange als Spion, nicht als Journalist zu betrachten.

Dieser Darstellung widersprachen wiederum Assanges Verteidiger entschieden. Sie verwiesen auf Assanges "lange Geschichte klinischer Depression", den Druck, den seine dauerhafte Überwachung in der ecuadorianischen Botschaft auf ihn ausgeübt habe, und beriefen sich auf anonyme Zeugen, laut denen auch Maßnahmen des Kidnappen und Vergiften ihres Mandanten diskutiert worden seien. Viel weiter kamen die Verhandlungen nicht. Denn nach der Debatte um die Sicherheitsregeln für Assange hatte die Richterin den Prozess am Donnerstag vorzeitig ausgesetzt und vertagt.

Eine Entscheidung wird noch viele Monate dauern

Wie geht es nun weiter? Am 25. März wird es eine kurze Anhörung geben, bei der Assange nur per Video zugeschaltet werden soll. Das ist ein sogenanntes call over hearing, bei dem es lediglich darum geht, ob die Beteiligten alle nötigen Schritte unternommen haben, um mit dem Prozess fortzufahren. Alle 28 Tage müssen solche Treffen stattfinden, damit das Gericht entscheiden kann, wann die nächste Verhandlung stattfinden soll. Am 7. April dann wird es das nächste case management hearing geben. Dort werden die kommenden Verhandlungstermine festgelegt. Derzeit ist geplant, dass die Verhandlung um die Auslieferung im Mai weitergeht. 

Ab dem 18. Mai sollen die Anhörungen dann mit dreiwöchigen Zeugenvernehmungen fortgesetzt werden, wie Richterin Baraitser am Donnerstag mitgeteilt hatte. Eine Entscheidung wird für spätestens August erwartet.

Assanges Verteidiger haben bislang keine entsprechenden Andeutungen gemacht, aber es ist sehr wahrscheinlich, dass das Verfahren auch nach einer Entscheidung von Baraitser nicht beendet ist. Sollte sie einer Auslieferung zustimmen, wovon die meisten Beobachter ausgehen, ist eine Berufung gegen diese Entscheidung möglich.