Die gute Nachricht: Am weltgrößten Internetknoten De-Cix in Frankfurt am Main ist man angesichts der Corona-Pandemie und dem damit zunehmenden Datenverkehr im Internet noch vergleichsweise entspannt. Trafficsteigerungen von bis zu 40 Prozent, wie es sie in Italien gibt? Für den Internetknoten gar kein Problem, sagte De-Cix CTO Thomas King in dieser Woche. Allerdings empfahl er Diensteanbietern und Internetprovidern, ihre Kapazitäten weiter auszubauen. Denn sicher ist: Solange die Krise anhält, wird die Nachfrage nach digitalen Angeboten steigen. Das könnte dann vielleicht doch zu einer Belastungsprobe für die Infrastruktur werden, womit sich die Frage stellt: Hält das Internet, wenn plötzlich das halbe Land aus dem Homeoffice arbeitet, streamt und videokonferiert?

In der Schweiz gab es Anfang dieser Woche vermehrt Ausfälle im Mobilfunk- und Festnetz des Anbieters Swisscom. Das Internet laufe zwar noch stabil, aber man stelle auch dort eine erhebliche Mehrbelastung fest, heißt es. Deshalb wurde darüber nachgedacht, Videostreaming abzuschalten, was das Schweizer Bundesamt für Kommunikation allerdings ablehnt. In Italien sagte ein Serviceprovider vergangene Woche, Onlinegames wie Fortnite hätten zeitweise zu einem Anstieg des Internettraffics von rund 70 Prozent geführt. Und Netflix drosselt nach einem Gespräch mit EU-Kommissar Thierry Breton die Übertragunsgrate in Europa für die nächsten 30 Tage.

Internet - Netflix und Youtube verringern Streamingqualität Streamingdienste fahren ihre Bitraten für 30 Tage in Europa herunter. Die EU hat die Anbieter darum gebeten, um eine Überlastung der Netze zu vermeiden. © Foto: Reuters TV

In Deutschland sind die Anbieter noch vergleichsweise entspannt. "Wir haben unsere Notfall- und Pandemiepläne schon im Januar aktiviert und sind bestmöglich vorbereitet", heißt es vonseiten der Telekom und dessen Technikchef Walter Godenits. "Unsere Experten modellieren aktuell alle möglichen Lastszenarien für die nächsten Tage und Wochen." Trotz stärkerer Auslastung, vor allem bei Telefonaten, sei das Netz derzeit stabil. Ähnlich äußern sich auch Vodafone und Telefónica.

Die Verbindung macht den Unterschied

Auch bei M-net, einem regionalen Telekommunikationsanbieter aus Bayern, gibt es bislang keine Probleme. "Im sogenannten Downstream, also etwa bei Downloads und Videostreaming, hat sich vor allem die Verteilung über den Tag geändert, die Menschen sind jetzt auch tagsüber aktiver im Netz", sagt Hermann Rodler, technischer Geschäftsführer von M-net. Die maximale Auslastung habe sich dadurch aber kaum verändert. Anders sieht das im Upstream aus, also bei jenen Daten, die von Heimcomputern aus versandt werden, etwa durch Videotelefonie: "Hier konnten wir innerhalb von drei Wochen eine Verdopplung des Traffics und eine deutliche Zunahme von Voice-over-IP ausmachen", sagt Rodler.

Das Netz von M-net basiere komplett auf Glasfaser, weshalb die Datenübertragung nach oben hin nahezu offen sei. Die bestehenden Verbindungen nutzten derzeit ohnehin nur einen Bruchteil der technisch verfügbaren Bandbreite aus, weshalb keine Gefahr bestehe, dass das Netz "verstopfen" könnte, sagt Rodler.

Probleme könnte es, wenn überhaupt, bei anderen Übertragungswegen geben. Ein Knackpunkt ist die sogenannte letzte Meile. So heißt der Weg vom Verteilerkasten der Provider in die Haushalte, also der letzte Teil der Internetverbindung. Die kann man sich wie eine Wasserleitung vorstellen: Das Wasser fließt durch ein großes Rohr zu einem örtlichen Verteiler, von dort aus mit kleineren Rohren in die Häuser und schließlich, durch ein dünnes Rohr, kommt es aus dem Wasserhahn. Je schmaler das Rohr, desto weniger Wasser kann es transportieren.

Einschränkungen im Kabelnetz denkbar

Im besten Fall geht das Glasfaserkabel, in dem Fall das dickste Rohr, direkt bis ins Haus oder gar die Wohnung. Das ist in Deutschland derzeit aber nur bei etwa zehn Prozent aller Haushalte der Fall. Die meisten Internetanschlüsse hierzulande kommen weiterhin aus dem DSL- oder Kabelnetz. DSL nutzt für die letzte Meile stattdessen Kupferkabel. Das hat nicht nur eine deutlich geringere Bandbreite als Glasfaser (die Telekom bietet Kunden bei VDSL bis zu 250 Megabit pro Sekunde an, bei Glasfaser sind es bis zu 1.000 Megabit), es ist auch anfälliger für elektromagnetische Störungen und das Signal muss immer wieder verstärkt werden. Allerdings nehmen sich die Nutzerinnen und Nutzer gewöhnlich nicht gegenseitig die Bandbreite weg.

Anders sieht das beim sogenannten Kabelnetz aus, über das Dienste wie Fernsehen, Telefon und Internet gleichzeitig laufen: Hier teilen sich alle Kunden einen Anschlusskasten und somit die verfügbare Bandbreite, die allerdings insgesamt höher ist als bei DSL. Wenn viele Kabelnutzer in einem Gebiet intensiv das Internet nutzen, dann könnte es tatsächlich zu spürbaren Einbußen bei der Geschwindigkeit kommen, insbesondere im Upstream. "Je nach Struktur können im Kabelnetz bis zu 1.000 Kunden an einem Node hängen", sagt Hermann Rodler von M-net. Unter den technischen Gesichtspunkten könnten also Kabelkunden von einer höheren Auslastung am stärksten betroffen sein. Wobei das nur für den Fall gilt, dass wirklich alle Kunden gleichzeitig datenintensive Dienste nutzen. Prinzipiell ist auch das Kabelnetz für eine hohe Belastung ausgelegt.