Es klingt banal, doch für einen Computer ist es eine nahezu unglaubliche Leistung: Watson, ein zimmergroßer IBM-Rechner, hat beim Ratespiel Jeopardy die besten Menschen geschlagen.

Jeopardy ist ein Fernsehquiz mit drei Kandidaten. Wer zuerst drückt und richtig antwortet, gewinnt mehrere Hundert Dollar. Die Amerikaner lieben die Show, sie ist seit 1964 im Programm und eine der populärsten Sendungen des Landes. Den Teilnehmern verlangt sie nicht nur Wissen, sondern komplexe Reaktionen und Assoziationen ab. Am Mittwochabend kam es zu einem geschichtsträchtigen Dreikampf. Ein Computer spielte mit, er trat gegen zwei Menschen an.

Forscher arbeiten seit Jahrzehnten daran, Antwortmaschinen wie Watson in die Lage zu versetzen, gesprochene Fragen zu verstehen und zur Beantwortung nicht nur enzyklopädisches Wissen abzurufen, sondern Zusammenhänge zwischen Themenfeldern und Fragen herzustellen. Ziel ist es, dass der Computer Ironie, Wortwitz und Zwischentöne begreifen kann, dass er fehlende Puzzlesteine entdeckt, dass er zurückfragen und Assoziationsketten entwickeln kann. Kurz: Dass er mit einem Menschen redet und sinnvolle Antworten gibt.

Der letzte große Wettbewerb zwischen Mensch und Maschine war die Schachpartie zwischen dem Computer Deep Blue, ebenfalls von IBM, und dem damaligen Weltmeister Garri Kasparow. Der Maschine war es 1996 gelungen, den Schachweltmeister in einer Partie zu schlagen. Ein Jahr später besiegte er Kasparow auch in einem ganzen Turnier und heute gelten Computer bei dem Spiel als unschlagbar.

 

Jeopardy war ein viel härterer Prüfstein. In der Sendung werden Antworten vorgegeben, zu denen die passende Frage gesucht ist. Allerdings ist dazu oft das erforderlich, was Menschen "um die Ecke denken" nennen – das Verbinden verschiedener Wissensgebiete, das freies und komplexes Assoziieren verlangt. Und Watson schnitt hervorragend ab. Die Maschine wusste beispielsweise, dass es um Narkolepsie ging, als die vorgegebene Antwort lautete: "Du brauchst nur ein Nickerchen. Du hast nicht diese Krankheit, die Menschen dazu bringt, im Stehen einzuschlafen."

Watson, benannt nach dem IBM-Gründer Thomas Watson, wusste auch, dass es sich bei dem gesuchten Herrscher aus Herr der Ringe um Sauron handelt, allerdings kannte er nicht den Bösewicht aus Harry Potter namens Voldemort. Weil es eben nicht genügt, Wissen zu sammeln und abzurufen. Allein die Fragen zu verstehen – im Fall von Jeopardy die Antworten –, fällt Rechnern wahnsinnig schwer. Drei Jahre lang hat IBM an der Maschine gearbeitet und sie trainiert.