Etwa 855.000 Handys fallen jedes Jahr allein in Großbritannien in die Toilette, weiß die Webseite SimplySwitch. Zwar überleben die wenigsten Telefone den unfreiwilligen Tauchgang, weitaus dramatischer aber kann der Verlust ausfallen, wenn das Mobiltelefon irgendwo verloren geht. Denn die Geräte wissen viel. Mobiltelefone sind schon lange zu Computern herangewachsen, mit jeder Menge Speicherplatz für Daten. Wenn sogar Berufliches darauf gespeichert war, ist ein Verlust ab dem 1. September sogar meldepflichtig, sofern es sich um personenbezogene Daten handelte. Denn das verschärfte Datenschutzgesetz verpflichtet schludernde Behörden und Unternehmen ab sofort, Betroffene über den Verlust zu informieren. Aber auch für Privatpersonen kann die Vorstellung unangenehm sein, private Daten, Fotos, Kontakte und SMS könnten in die falschen Hände geraten. Laut einer Studie des Sicherheitssoftwareherstellers Symantec sind mittlerweile 42 Prozent aller Datenverluste auf Gerätediebstahl oder Liegenlassen zurückzuführen.

In vielen Fällen allerdings gibt es eine Chance, die Daten auch aus der Entfernung zu löschen. Im IT-Sprech heißen diese Funktionen "remote erase" oder "remote wipe". Alle großen Smartphone-Systeme von Apples iPhone über den Palm Pre bis hin zu Microsoft haben einen solchen Remote Knopf im Angebot. Auch Anbieter wie Nokia oder Samsung bieten den Service zumindest für einige Modelle ihrer Palette.

Dabei gibt es unterschiedliche Wege, auf das Handy zuzugreifen: Spezielle Applikationen beispielsweise, die zuvor installiert worden sein müssen. Oder eine Funktion, die es dem Administrator erlaubt, gleich auf mehrere Telefone seiner Mitarbeiter zuzugreifen – interessant vor allem für Firmen. Im Moment scheint sich die Methode zu etablieren, den Löschauftrag via Netz abzuschicken oder verlorene Geräte per SMS auszuknipsen.

Mit der "Mein-iPhone-suchen"-Funktion können Apple-Kunden das gute Stück nicht nur lokalisieren. Sondern über den MobileMe-Account auch den Befehl zum Löschen erteilen. Das Feature ist ab dem System iPhone OS 3.0 voreingestellt, muss aber eigens aktiviert werden. Dazu geht man in den – allerdings kostenpflichtigen – MobileMe-Account und aktiviert die Suchfunktion. Apple empfiehlt, zudem die Code-Sperre auf dem iPhone zu nutzen, damit nur der Besitzer entscheiden kann, die Funktion ein- oder auszuschalten.

Falls das iPhone verloren geht, lässt es sich via Netz nicht nur löschen und auf die Werkeinstellungen zurücksetzen. Sondern auch zwei Minuten lang einen Ton abzuspielen, der selbst dann dem Dieb in den Ohren klingt, wenn das iPhone stumm geschaltet wurde. Beeilen lohnt sich dabei. Schwierig kann es nämlich werden, wenn der Dieb das Telefon findet, bevor der Löschbefehl ergeht, wenn die Batterie leer ist oder das Gerät sich außerhalb der Reichweite eines Netzwerkes befindet. Dann könnte der neugierige Finder die Netzwerkverbindung unterbinden und sich ins Telefon hacken.

Auch beim Palm Pre lässt sich beim ersten Einrichten ein Palm-Profil anlegen, über das man dann drahtlos Updates empfangen und eben den Befehl zum "Löschen im Fernverfahren" verschicken kann. Palm bietet diesen Dienst auch für Unternehmen an – also kann der IT Administrator das zentral für alle Mitarbeiter-Handys erledigen.

Wer die Remote Control einfach nur mal so zum Spaß ausprobieren möchte, sollte sich übrigens darauf einstellen, später die Hilfe eines Technikers zu benötigen, um das Gerät wieder zum Laufen zu bringen.