Fürs Weihnachtsgeschäft ist es definitiv zu spät. Aber die Gerüchte verdichten sich, dass schon kommendes Jahr ein neues Handy von Google auf den Markt kommen wird.

Apple, Palm Pre, Blackberry – bislang hatte jedes Smartphone-Angebot seine Vorzüge, aber immer gab es auch einen Haken.

Bei Apple stimmt das Design und es gibt jede Menge interessanter Zusatzprogramme, dafür beschneidet die Software so manchen Kundenwunsch und zwingt ihm zudem einen Telefonanbieter auf, den ansonsten viele kritische Menschen nicht mit der Kneifzange anfassen würden. Blackberrys haben den Schritt ins mobile Surfvergnügen verschlafen, der PalmPre macht so einiges richtig, allerdings kommt das Handy ohne den Coolheits-Faktor des iPhones daher und es mangelt noch an einer ähnlichen Anzahl praktischer Apps.

Das neue Google-Phone wird neue Impulse setzen, denn bei dem Projekt wird wohlmöglich alles aus einer Hand kommen: Gerät, Software, Telefondienstleistung, – alles made by Google. Und da Google auch in Zukunft nicht als großer Geräte-, Telekommunikations- oder Softwareverkäufer auftreten will, sondern lediglich darauf bauen dürfte, dass die begeisterten Nutzer mit dem neuen Gerät noch mehr surfen und dabei nicht mehr an den Google-Werbeanzeigen vorbeikommen, besteht zumindest Anlass zur Hoffnung, dass Google den Kunden keine ungünstigen Telefonverträge aufquatschen und auch das Surfvergnügen so wenig wie möglich beschneiden will.

Dem Analysten Ashok Kumar von Northeast Securities zufolge wird das Google-Handy wohlmöglich von dem taiwanesischen Telefonhersteller HTC gebaut und einen Prozessor von Qualcomm besitzen. Das Handy soll den Berichten zufolge über ein großes Touchscreen-Display verfügen, und der Prozessor soll etwa doppelt so leistungsstark sein wie der des jüngsten Apple-Modells 3GS. Auf ihm könnte die aktuelle Version der Handysoftware Android laufen – Codename Flan – und das ganze soll angeblich sogar 3-D-Spiele in einer Geschwindigkeit ermöglichen, die mit den großen Konsolen mithalten kann.

Möglicherweise verzichtet Google vollständig auf die Kooperation mit einem Telefondienstleister. Das könnte in diesem Fall bedeuten: das Smartphone fokussiert sich auf Internettelefonie, kommt wohlmöglich ganz ohne Telefongebür aus und lässt den Kunden über die Datenverbindung telefonieren. Viele kennen das bereits von Dienstleistern wie Skype. Das sogenannte Voice-over-IP (VoIP) würde kostenlose oder zumindest sehr billige Telefonate bedeuten. Laut Michael Arrington, der auf TechCrunch als erster über die Handy-Pläne berichtete, könnte das Google Phone eher an einen mobilen Computer mit VoIP-Integration erinnern als an ein herkömmliches Handy.

Google selbst bietet in den USA schon seit einer Weile ein Programm namens Google Voice an, mit dem man unterschiedliche Anrufe und Telefonnummern zentral verwalten und auf eine einzige Nummer umleiten kann. Mit dieser einen Telefonnummer sind zudem kostenlose Anrufe auf ganz gleich welchem Apparat in den USA – Festnetz oder Mobil – möglich. Und die Tarife für internationale Anrufe sind ebenfalls recht niedrig. Außerdem kann man sich Anrufe auf der Mailbox in Text übersetzen und sich als E-Mail zuschicken lassen und so viele SMS verschicken, wie man will. Kostenlos. Kein Wunder also, dass viele Telekommunikationsanbieter Google Voice nicht auf ihren Handys sehen wollen. So möchte etwa AT&T die Zulassung von Google Voice auf Apples iPhone auf jeden Fall verhindern.

Wenn Google nun die Internettelefonie vorantreibt, könnte das einigen politischen Ärger nach sich ziehen. Die amerikanische Telekom-Aufsicht FCC hat schon im September angekündigt, darüber nachzudenken, ob derartige Verbote künftig nicht mehr möglich sein dürfen. In der EU hat man sich zu einer solchen Haltung in der aktuellen Telekom-Novelle nicht durchringen können. Dennoch mehren sich kritische Nachfragen, warum für Handys andere Regeln gelten sollten als für Computer: Hier wird Microsoft schließlich auch abgestraft, wenn es seinen Explorer als voreingestellten Internet-Browser ausliefern lässt.

Eine weitere Frage ist, ob Google die verbesserte Android-Software exklusiv nutzen wird, oder auch anderen Herstellern zur Verfügung stellt. Motorola etwa gründet seine aktuelle Produktoffensive massiv auf dieses Betriebssystem. Auch hier droht also Ärger mit den Telekom-Unternehmen, zumal viele von ihnen ihre Android-Handys mit Hilfe der branchenüblichen Subventionen in den Markt gedrückt haben: Billige Geräte sind ein Marketingtrick, um die Kunden an teure Telefonverträge zu binden. Obwohl das Interesse an Android in der Vergangenheit zugenommen hat, liegt der Marktanteil immer noch bei knappen vier Prozent.

Was im Umkehrschluss allerdings bedeuten könnte, dass Subventionen für das Google-Handy wegfallen würden, wenn mit dem gPhone kein Telefonumsatz zu machen ist. Was den Kaufpreis für das Gerät in die Höhe treiben könnte.

Die kritische Frage wird aber sein, wie viel Freiheit Google den Nutzern bei ihrer Programmauswahl lässt. Wird man mit anderen Suchmaschinen surfen dürfen, und wie leicht wird es sein, Daten von anderen Anbietern mit dem Google-Phone zu synchronisieren? Oder droht hier ähnlicher Ärger wie bei den anderen Herstellern? Muss man sich registrieren lassen, und welche Informationen sammelt Google über das Surf- und Telefonverhalten seiner Telefonkunden? Die Möglichkeiten eines Dienste-Anbieters sind da bekanntlich groß: Sie reichen von kompletter Blockade bis hin zu technischen Hindernissen, die etwa das Synchronisieren unkomfortabel gestalten oder Zusatzfunktionen nur für registrierte Kunden bieten.