Täglich versuchen laut Adobe unzählige iPhone-Nutzer, auf eine Applikation zuzugreifen, die sie nicht herunterladen dürfen. Im Dezember haben Angaben des Unternehmens zufolge sieben Millionen User versucht, das Adobe Plug-in Flash für iPhone und iPod touch zu erhalten. Doch wer eine Audio- oder Videodatei öffnet, die auf dem Plug-in basiert, bekommt bislang entweder nur den kleinen, blauen Baustein zu sehen oder die kurze Erklärung: "Flash Player not available for your device."

Diesen Hinweis werden vermutlich bald auch jene sehen, die versuchen, auf Apples neuen Tablet-PC iPad mit Flash gebaute Seiten zu betrachten. Apple-Chef Steve Jobs hat in den vergangenen Monaten oft genug gesagt, was er von Flash hält, nämlich gar nichts. Auch die Free Software Foundation (FSF) möchte Flash am liebsten den Todesstoß versetzten. In einem offenen Brief forderte die Organisation für freie Software die Besitzer der weltgrößten Video-Plattform YouTube jetzt dazu auf, ihren jüngsten Erwerb von On2 und dem Video-Codec VP8 für einen weiteren Befreiungsschlag einzusetzen: Google soll den Video-Codec VP8 lizenzfrei anbieten und YouTube-Nutzern empfehlen, diesen Codec zu verwenden. Es hätte dank seiner Marktmacht die Möglichkeit, "die Patent-Abhängigkeit des Netzes von Videoformaten und proprietärer Software zu beenden". Gemeint ist damit vor allem: die Abhängigkeit von Adobes Programm Flash.

Das ist eine weit verbreitete Software, mit der sich multimediale Inhalte bauen lassen. Viele Websites nutzen das Programm, um Grafiken, Filme oder Werbeanzeigen zu präsentieren. Viele Software-Entwickler ärgern sich schon seit Jahren, dass fast alles, was zappelt und sich bewegt im Netz, bislang auf Flash basiert. Denn es handelt sich bei dem Programm um keine lizenzfreie, offene Software, die sich für jeden Zweck verändern und anpassen ließe, sondern um ein in sich geschlossenes, proprietäres Paket, das dem Unternehmen Adobe gehört.

Laut Steve Jobs, der die Flash-Entwickler jüngst als "faul" bezeichnete, weil sie seiner Meinung nach zu langsam Fehler beheben würden, benötigt die Software zudem viele Ressourcen. Wäre sie auf dem iPhone installiert, würde ihre Nutzung den Akku innerhalb weniger Stunden leer saugen, warnte Jobs.

Außerdem hat Flash Schwierigkeiten mit Touch-Anwendungen, wie ein Software-Entwickler namens Morgan Adams unlängst ausführte. Er arbeitet selbst mit Flash, sein Urteil: "Für reine Touch-Geräte ungeeignet." Das letzte, und vermutlich nachhaltigste Argument gegen Flash ist jedoch, dass es mit der Fortentwicklung des Hypertext-Protokolls zu HTML5 künftig die Möglichkeit gibt, sich auch direkt im Browser Videos anzeigen zu lassen. Bald also könnten immer mehr Browser dazu übergehen, diese Anwendung zu unterstützten. Immerhin ist HTML eine Sprache, der sich jeder bedienen kann und darf.

Doch die Tage von Flash sind alles andere als gezählt. Nicht nur, weil der Einsatz bei Werbeagenturen und damit indirekt bei einer wichtigen Erlösquelle von Netzinhalten so beliebt ist. Noch ist die Unterstützung für das Programm auch von anderer Seite groß. So stellte etwa Microsoft-Chef Steve Ballmer auf dem Mobile World Congress (MWC) klar, dass Windows Phone 7, die neue Version für Mobilgeräte zwar nicht über Flash verfüge, man aber auch nicht verhindern werde, wenn es jemand für das Handybetriebssystem von Microsoft programmiere. Auch fürs Google Betriebssystem Android, für Blackberrys und für die Geräte von Nokia soll Flash weiterentwickelt werden.

Adobe selbst hat dazu die Initiative Open Screen Project gegründet, um Flash auf ein breites Spektrum von Endgeräten zu bringen. Mit dabei, unter vielen anderen: Handy-Hersteller wie Nokia, RIM, Google, Palm, Motorola, HTC und Sony, der Condé Nast-Verlag, der Stern und die New York Times.