"Das Einzige, was Smartphones noch vor einer ernsthaften Bedrohung durch Viren, Trojaner und Würmer schützt, ist die Tatsache, dass sie noch nicht ausreichend weit verbreitet sind und sich derzeit noch kein bevorzugtes Betriebssystem durchgesetzt hat." So lautet das Fazit einer Studie der Northeastern University in Boston. Die Forscher untersuchten das Ausbreitungspotenzial von Smartphone-Viren. Das Ergebnis ist besorgniserregend: Es sei nur noch eine Frage der Zeit, bis Mobiltelefone in großem Maßstab angegriffen würden.

Die Antivirensoftwarefirma Kaspersky-Lab beobachtete erste schädliche Programme für mobile Geräte bereits 2004. Seither entstand eine Palette von Malware – bösartiger Software, die identisch ist mit der für Computer: Viren, Würmer, Trojaner, Spyware, Scareware, Werbeprogramme und Backdoors. Aktuell sind 250 verschiedene davon bekannt.

Im Vergleich zu den weltweit wohl Millionen, die für Systeme wie Windows existieren, ist das noch eine vergleichsweise geringe Anzahl. Allerdings mit deutlich steigender Tendenz – und hohem Potenzial. Denn der Smartphone-Markt hat immense Wachstumsraten. Allein 2008 waren es 30 Prozent, was 32 Millionen verkauften Geräten weltweit entspricht. Das US-Marktforschungsinstitut Juniper Research rechnet bis zum Jahr 2013 gar mit einer Verdoppelung der Verkaufszahlen.

"Smartphone-Schädlinge stehen heute dort, wo ihre PC-Geschwister vor zehn Jahren waren", sagt Magnus Kalkuhl von Kaspersky-Lab Deutschland.

Was beispielsweise sogenannte Dialer belegen. Technisch sind sie keine Viren oder Würmer, können aber trotzdem einigen Schaden anrichten, da sie die Einwahl ins Web heimlich auf teure Nummern umleiten. Vor zehn Jahren waren Dialer weit verbreitet. "Das gibt es auch schon längst für Handys", sagt Kalkuhl.

Je stärker mit Mobiltelefonen gesurft wird und je schneller sie das können, desto aktueller werden die Bedrohungen klassischer Computer auch für die kleinen Geräte.

"Immer online", "Bankgeschäfte von unterwegs aus" und "Ihren gesamten Emailverkehr in der Handtasche" lauten die Verheißungen der Mobilfunkanbieter und Onlineportalbetreiber. Fast alles ist möglich mit den kleinen Rechnern in unseren Taschen. Ihre vielfältigen Kommunikationswege Bluetooth, Infrarot, und WLAN/Wifi sind Stärke und Schwäche zugleich. Einerseits erleichtern sie den Austausch von Adressdaten oder Musikstücken. Andererseits eröffnen sie Angreifern eine Vielzahl von Wegen.