Der Vertrauensvorschuss der Fans ist groß, die Begeisterung scheint Zweifel zu verdrängen. Ab Samstag kann man Apples iPad in den USA kaufen. Das iPad, das nach Angaben seines Herstellers eine völlig neue Klasse von Geräten zwischen Computer und Handy begründet. Apple-Chef Steve Jobs bewertet das Gerät als "revolutionär" – und die Apple-Fans trauen ihm: Obwohl sie das iPad bislang nur von Fotos kennen, liegen Schätzungen zufolge mehr als 100.000 Vorbestellungen vor, gleich zu Kaufbeginn dürfte es Lieferverzögerungen geben, US-Geschäfte rechnen mit langen Warteschlangen schon in der Nacht.

Egal, ob sich die angekündigte Technikrevolution einstellen wird oder auch nicht: Die Zugkraft des Herstellers Apple ist ein Phänomen. "Die Kundenzahlen werden beeindruckend sein", prophezeit der US-Experte Michael Gartenberg vom Analysten Altimeter Group im kalifornischen San Mateo. "Das ist ziemlich bemerkenswert, weil die Leute das iPad bislang weder selbst gesehen noch berührt haben und ganz einfach dem Versprechen von Apple trauen." Gartenberg glaubt, dass Apple nach seinen Mac-Computern, dem Telefon iPhone und dem Musikspieler iPod mit dem iPad "einen weiteren großen Hit" landen wird.

Das iPad sieht aus wie das Apple-Multimediahandy iPhone, nur größer ist es – fast so groß wie ein Blatt A4-Papier. Bedient wird es über den berührungsempfindlichen Bildschirm, den Touchscreen. Gedacht ist das Gerät vor allem zur mobilen Unterhaltung: Es ist nicht nur ein Lesegerät für elektronische Bücher, es bietet auch Internet, E-Mail, Musik, Filme und Computerspiele, außerdem kann es Dokumente und Präsentationen bearbeiten. Das Tippen funktioniert über eine eingeblendete Tastatur auf dem Touchscreen oder mit einer externen Tastatur.

Mit dem nur 13 Millimeter dicken Gerät will Apple etwas schaffen, was ihm schon mit dem Musikspieler iPod gelungen ist: die Nutzungsgewohnheiten der Verbraucher zu revolutionieren. Eigens für das iPad präsentiert Jobs eine digitale Bücherei namens iBooks. Auch Zeitungen sollen über das Gerät abgerufen werden. Das macht den Verlagen Hoffnung: So wie die Musikindustrie ihre Musik inzwischen über den Apple-Musikladen iTunes verkauft, könnten sie endlich dringend benötigtes Geld im Internet verdienen. In Deutschland soll das iPad Ende April in den Handel kommen.

Nach Einschätzung von Branchenexperten kann es sich für die Verbraucher durchaus auszahlen, mit dem Kauf des Geräts ein wenig zu warten. Das iPad sei derart kompliziert, dass sich bei der Nutzung schnell der eine oder andere Mangel zeigen werde, der dann von Apple behoben werden müsse, sagt der im Silicon Valley ansässige Technologie-Analyst Rob Enderle. "Im Grunde genommen bezahlen sie dafür, Versuchspersonen für Apple zu sein", sagt Enderle über die ersten Käufer. "Es werden Fehler auftreten, Apple wird sie beheben, den Preis senken und dann das Produktionsvolumen erhöhen."

Enderle rechnet damit, dass Apple den Preis nach etwa drei Monaten senken werde. Das kleinste iPad – mit 16 Gigabyte Speicher und ohne Mobilfunkanschluss – kostet in den USA zunächst 499 Dollar (knapp 370 Euro), die teuerste Version mit 64 Gigabyte Speicher und UMTS kostet 829 Dollar. Analyst Enderle glaubt, dass bis Ende des Jahres mehrere Konkurrenzprodukte von anderen Herstellern auf dem Markt sein werden: "Es ist keineswegs sicher, dass Apple den Markt für Tablet-Computer dominieren wird." Der US-Softwareriese Microsoft hat bereits für Mitte des Jahres einen Tablet-PC mit dem Namen Slate angekündigt.