Wenn 1000 Programmierer sich drei Tage lang einem Thema widmen, kommen die abenteuerlichsten Dinge heraus. Noch dazu, wenn das Thema das gerade zwei Wochen alte iPad ist. So präsentierten die Teilnehmer des ersten iPad DevCamps im kalifornischen San Jose einen Reigen meist halbgarer Software, die jedoch einen Ausblick auf die nächste Generation mobiler Computer gibt.

Spiele gehörten dazu, bei denen alle zehn Finger zum Einsatz kommen, grafisch elegante Programme, mit denen sich Texte in der "Cloud" ablegen und am Ende des Arbeitstages mit einer Handbewegung auf den Tablet-Rechner schieben lassen, statt sie in eine Aktentasche stopfen zu müssen.

Seit 2007 gibt es das Apple-Entwicklertreffen, bislang unter dem Titel iPhone DevCamp. Seine Erweiterung um den neuen Flachrechner ist durchaus eine qualitative Weiterentwicklung. Denn noch ist das iPad zwar nur ein Spielzeug für Technik-Begeisterte, doch wecken die Absatzprognosen Hoffnungen.

In der ersten Woche verkaufte Apple eine halbe Million Exemplare und Analysten rechnen mit sieben bis zehn Millionen verkauften Geräten im ersten Jahr, und noch einmal sechzehn bis zwanzig Millionen im zweiten Jahr.

"Früher kamen nur Programmierer", sagte Raven Zachary, einer der Organisatoren der ausverkauften Veranstaltung. "Jetzt haben viele einen Designer dabei. Das zeigt uns, dass ein größerer Bildschirm neue Anforderungen an Ästhetik und Benutzerfreundlichkeit stellt."

Zacharys Firma Small Society hat sich auf iPhone-Anwendungen spezialisiert und betreut seit der Markteinführung des Tablets vier von insgesamt 18 Projekten speziell für das neue Gerät. "Es ist eine schwierige Entscheidung für Kunden", sagt er, denn noch sei der iPad-Markt winzig, der für iPhones und iPods sei 150-mal größer. "Aber man kann nicht einfach eine bestehende Anwendung aufblasen und ist fertig. Man muss anders denken."

Um Geld ging es auf dem DevCamp allerdings nur am Rande. Wer dort das Wochenende opferte, wollte vor allem Teil einer neuen Bewegung sein. Die Teilnehmer hatten 72 Stunden Zeit, um brauchbare Anwendungen zu basteln. Mehr als 50 Vorschläge wurden eingereicht: von Spielen über Produktivitätslösungen bis hin zu Bildungs-Software und e-Commerce-Anwendungen, mit der auch die kleinste Imbissbude ans Netz gehen kann.

Gerade Spiele nutzten die Möglichkeit, das iPad zum Mittelpunkt einer neuen Form der Geselligkeit zu machen, die über die von Spielkonsolen hinausgeht. Funktioniert es doch als vernetztes Spielbrett, das mehrere iPhones oder iPods zu einem elektronischen Schwarm verknüpfen kann.