Die alte Stoppuhr wirkt nicht gerade wie der Aufbruch in die digitale Zukunft. Sie erinnert eher an Wettläufe in muffigen Turnhallen. Der Vorfreude von Matthias Kurth tut dies jedoch keinen Abbruch. Um genau 13.16 Uhr drückt der Präsident der Bundesnetzagentur in seiner Mainzer Zentrale den mittleren Knopf der Uhr langsam nach unten und eröffnet damit die weltweit erste Auktionsrunde um digitale Mobilfunkfrequenzen, die in Deutschland eine neue Ära der Internets möglich machen sollen.

Kurth ist sich des historischen Moments sichtbar bewusst. Von einer deutschen Vorreiterrolle beim mobilen Internet spricht er, sieht seine Auktion als "entscheidenden Schlüssel" für Innovationen, als Fingerzeig im Land der Ingenieure und Erfinder.

In der Tat steht viel auf dem Spiel. Die neuen Frequenzen gelten für die Konzerne als Bedingung für künftiges Wachstum bei mobilen Internetdiensten, und die Politik will dank ihnen endlich entlegene ländliche Regionen an die virtuelle Welt anschließen und hat die Vergabe mit entsprechenden Auflagen versehen. Doch zunächst muss das in Blöcke eingeteilte Gesamtvolumen von 360 Megahertz unter den vier zugelassenen Bewerbern T-Mobile, Vodafone, O2 und E-Plus versteigert werden. Das funktioniert nach einem komplexen Verfahren. Allein die Auktionsregeln umfassen 180 Din-A4-Seiten.

Geboten wird auf insgesamt sechs Frequenzblöcke, die noch einmal in 41 Abschnitte unterteilt sind. Jede Bieterrunde dauert maximal 90 Minuten. Solange haben die Vertreter der Konzerne Zeit, um ihre Gebote abzugeben für das gesamte Paket abzugeben, das sie ersteigern dürfen – denn auch dabei gibt es Beschränkungen.

Am Montag gingen die ersten drei Bieterrunden über die Bühne. Am Dienstagmorgen um acht Uhr starten die nächsten. Wie lange die Versteigerung dauern wird, ist völlig offen. Auch die Experten, die die Auktionseröffnung beobachteten, wussten es nicht. Einer sprach von mindestens 100 Bieterrunden, andere erwarten dagegen ein schnelleres Ende.

Bisher summieren sich die für alle Frequenzen eingereichten Gebote auf 116,78 Millionen Euro. Wohl nur ein Bruchteil dessen, was die Auktion am Ende einspielen wird. "Noch haben die Ergebnisse null Aussagekraft", sagte Guido Heitmann, Sprecher von E-Plus. "Das ist wie bei eBay, die Auktionen entscheiden sich am Ende."