Eigentlich hatten die deutschen Verleger große Hoffnungen auf das iPad gesetzt. Ob Spiegel oder Welt , viele Titel waren zum europäischen Verkaufsstart des Tablet-Gerätes sozusagen schon "on-pad", also mit einer eigenen Software für das iPad im iTunes-Store vertreten.

Über die auf das iPad zugeschnittenen Inhalte wollen die Verlage ihre Vertriebserlöse steigern. Mobiler Medienkonsum wird immer beliebter und gerade dort sehen die Verleger ihre Chance. Das iPad könnte diesen Trend beschleunigen: Es macht das digitale Lesen wegen seines großen Displays unterwegs besonders angenehm. Sollte es wie erwartet auch in Europa viele Abnehmer finden, könnte es in Sachen Tablet-PCs und mobiler Lektüre neue Standards setzen.

Doch bei aller Begeisterung sind sich die Verleger nicht so sicher, wen sie sich da eigentlich ins Boot geholt haben – oder eher umgekehrt: von wem sie sich an Bord holen ließen.

"Das Verhältnis ist ambivalent", heißt es dazu beim Verband der Zeitungsverleger, dem VDZ. Und es ist vor allem unausgewogen.

Zwei Punkte bereiten den Verlagen besonders große Sorge: Zum einen hat Apple über seinen App Store beträchtlichen Einfluss darauf, was die Verleger ihren Kunden auf die Displays spielen dürfen. Erotische Fotografie gehört zum Beispiel nicht dazu – wie Stern.de bereits beim iPhone erfahren musste. Aufgrund einer Bildergalerie, die zu viel nackte Haut zeigte, sperrten die prüden Amerikaner dem deutschen Medienanbieter kurzerhand den App-Store-Zugang.

Aber auch bei der Technik nehmen sich die Kalifornier mehr als ein Mitspracherecht heraus: sie entscheiden, was über ihre Prozessoren läuft. So mag Steve Jobs bekanntlich keine Flash-Anwendungen und hat diese für das iPad ausgeschlossen. Genau wie Programme, die das eigene Geschäftsmodell oder das der Vertragspartner bedrohen. Auf normalen Rechnern oder MacBooks wäre diese Art Zensur undenkbar, doch bei allen das iPad betreffenden Anwendungen macht Apple davon nach Gutdünken Gebrauch.

Letztlich geht es den Verlagen aber vor allem um die Beteiligung Apples an den Erlösen aus den Apps: Ganze 30 Prozent behält der Computerhersteller ein. Die Verleger würden gerne deutlich weniger davon abgeben.

"Wir müssen der Gefahr begegnen, dass als Technologieplattform global tätige Firmen ihre Macht ausspielen", heißt es dazu beim VDZ. Es gebe Unklarheiten über die Aufgabenverteilung – können Verlage überhaupt noch als Verlage tätig werden, oder übernimmt Apple immer mehr Teilstrecken auf dem Weg vom Publizieren der Artikel hin zum Endkunden? Auf Webseite des VDZ ist als Verweis auf die jüngste Medienberichterstattung zu lesen, dass auch "Verleger vom iPad-Boom profitieren wollen". Und weiter: "Zeitschriften brauchen auch auf dem iPad Pressefreiheit und wollen sich nicht auf die Rolle von Inhaltelieferanten reduzieren lassen."

Was tut man in diesem Fall vernünftigerweise? Man sucht das Gespräch. Deshalb hat der Verband der Zeitungsverleger (VDZ) einen Brief an Steve Jobs geschrieben. Und das schon am 15. März.