Genießt ein Blogger den gleichen rechtlichen Schutz wie ein Journalist? Darüber wird in den USA derzeit sehr ernsthaft diskutiert. Dabei hatte alles eher absurd angefangen, mit einem verlorenen iPhone-Prototypen .

Die Technikwebsite Gizmodo hatte diesen Prototypen angekauft, auseinander genommen, über das Gerät berichtet , um es schließlich auf ausdrücklichen Wunsch Apples an die Firma zurückzugeben. Vier Tage nach der Veröffentlichung bekam der Autor der Geschichte Besuch von der Polizei. Die durchsuchte das Haus von Jason Chen und beschlagnahmte mehrere Computer des Technikbloggers. Begründung: Er habe gestohlenes Eigentum besessen.

Rechtlich basiert das Ganze auf einigen Besonderheiten amerikanischer Gesetze. Alles beginnt mit Paragraf 2080 des kalifornischen Zivilgesetzbuches . Der schreibt vor, dass der Finder einer Sache den ursprünglichen Eigentümer suchen muss. Und bis ihm das gelungen ist, hat er den Gegenstand wie einen geborgten zu behandeln und nicht wie seinen eigenen. Die Mühe darf man hinterher als Finderlohn gern in Rechnung stellen. Erst einmal aber muss man den Eigentümer ausfindig machen, oder das Ding im Zweifel der Polizei übergeben.

Der Finder des iPhones versuchte zwar, Kontakt mit Apple aufzunehmen. Als ihm das jedoch nicht gelang, verkaufte er das Gerät für wohl 5000 Dollar an die Macher von Gizmodo . Die haben damit klar sogenannten Scheckbuch-Journalismus betrieben, also Geld für Informationen gegeben. Das ist in der Branche ethisch umstritten, aber durchaus üblich. Weswegen man bei Gizmodo das gern zugab und twitterte : "Und ja, wir tun alles für eine Story!"

Allerdings machte man sich nach kalifornischem Recht damit wohl auch der Hehlerei schuldig. Deshalb steckt der Autor der Story nun in Schwierigkeiten. Die Argumentation der Verteidiger Chens lautet, Journalisten müssten keine Strafermittlungen fürchten, sei ihnen doch erlaubt, die Quellen ihrer Informationen zu verheimlichen, um sie zu schützen.

Die böse Ironie ist, dass die Quelle längst nicht mehr geheim ist. Journalisten des Technikmagazins Wired nämlich haben eine Woche nach der Hausdurchsuchung veröffentlich, wer das von dem unglücklichen Applemitarbeiter verlorene iPhone gefunden und an Gizmodo verkauft hat und das wiederum als exklusive Nachricht weit verbreitet. Auch Apple und der Polizei soll der Namen schon länger bekannt sein.