Apple weiß, wo Du bist

Apple möchte künftig Standortdaten seiner mobilen Kunden sammeln und hat daher seine Datenschutzbedingungen überarbeitet . Die Änderungen betreffen alle Nutzer des neuen Betriebssystems iOS 4.

Wer diese Software herunterlädt, die auf Apples iPhone, dem iPod und iPad künftig als Bedienoberfläche dienen soll, wird aufgefordert, Apple von nun an seine Standortkoordinaten in Echtzeit zur Weiterverarbeitung zu überlassen. 

Apple sichert natürlich Anonymität zu, einzelne Nutzer könnten über die Koordinaten keinesfalls zurückverfolgt werden. Die Daten dürfen allerdings von Partnern und Lizenznehmern des Unternehmens genutzt werden, "um Dienstleistungen, Inhalte und Werbeangebote zu verbessern", wie es dazu heißt . Was die Sammelbezeichnung "Partner und Lizenznehmer" beinhaltet, erläutert Apple nicht näher.

Apple fordert die Anwender auf, den geänderten Nutzungsbedingungen zuzustimmen, sobald sie neue Apps, Musik oder Filme aus dem iTunes Store herunterladen. Der Nutzer hat nicht wirklich eine Wahl, es sei denn, er lässt das Update sein: Ohne Zustimmung keine Apps, mit Zustimmung keine Privatsphäre.

Die Standortdaten wären für einige Dienste wie etwa das " Find my iPhone " von Nöten, sowie für weitere Anwendungen, die mit sogenannten location services arbeiten, heißt es bei Apple. Solche Daten lassen sich aber zum Beispiel auch an Marketingfirmen weiterverkaufen , die Einkaufszentren oder Werbekampagnen dort planen, wo sich die meisten Menschen tummeln. Im Menü "Einstellungen" soll es immerhin eine neue Rubrik "Location Services" geben, hier können die Nutzer einige Funktionen im Nachhinein wieder ausstellen.

Auch Anbieter von mobilen Werbeeinblendungen – die neue Werbeplattform iAd geht am 1. Juli an den Start – können künftig auf die Ortsmarken zurückgreifen. Produktwerbung von konkreten Geschäften oder Hinweise auf Restaurants und Bars sind zum Beispiel denkbar.

Wer diese Option ausschaltet, schreibt Apple, bekomme sehr wohl weiterhin Werbung, allerdings weniger zielgerichtet. Nach dem Motto: Wer das nicht mag, ist selber schuld. Dazu heißt es in den Datenschutzrichtlinien: "Apple und seine Partner nutzten Cookies und andere Techniken des mobilen Advertisings, um zu prüfen, wie oft Sie eine bestimmte Werbung ansehen, um Ihnen Werbung zu zeigen, die Sie interessiert und die Effizienz von Kampagnen zu messen." Unter folgendem Link soll man immerhin die Möglichkeit haben, die personalisierte Werbung wieder auszuschalten. Wie gesagt: Ganz ausschalten ist nicht möglich.

 

The Consumerist nennt Apples neuen Umgang mit den Nutzerdaten " creepy ". Viele Blogger regen sich über die neuen Richtlinien auf, beschimpfen das neue OS als "iSpy" . Steve Jobs sagt dazu, dass es vor allem darum ginge, derartige Maßnahmen transparent zu kommunizieren.

Wer jetzt allerdings schon tief Luft holt, um Apple für seinen lausigen Umgang mit Nutzerdaten zu schelten, sollte sich vergegenwärtigen, dass andere Unternehmen wie etwa Google ebenfalls gerne Daten horten . Oft genug, ohne vergleichsweise öffentlich darüber zu sprechen. Und die wichtigste Konkurrenz zum iOS 4 heißt nun einmal Android – das Betriebssystem von Google.

So heißt es etwa in Googles mobilen Datenschutzbestimmungen: "Sollten Sie standortbezogene Produkte und Services wie Google Maps für Handys nutzen, übermitteln Sie uns möglicherweise Standortinformationen. Diese Informationen können wie im Falle von GPS-Daten auf Ihren tatsächlichen aktuellen Standort hinweisen. Sie können aber auch nur einen Teil einer Adresse übermitteln, um eine Karte der näheren Umgebung anzuzeigen." Das klingt eher nach Verschwurbelungs-Taktik als nach transparenter Kommunikation, sauber formuliert ist der Passus jedenfalls nicht.

Und Google prüft sogar, wie lange die Handy-Batterie noch hält: "Bei Verwendung von Google Latitude auf einem Handy erfassen wir neben den anderen Informationen auch Daten zum Akkustatus und verknüpfen diese mit Ihrem Google-Konto." Mit AdMob hat Google zudem ein Unternehmen aufgekauft , das sich ebenfalls gut mit lokaler Werbung auf dem Mobiltelefon auskennt, und dabei auch auf die GPS-Daten des Nutzers zurückgreift.