Eigentlich sollten Blackberrys in Saudi-Arabien ab Freitag nicht mehr laufen. Die dortige Regierung hatte angekündigt, die Dienste des Herstellers zu sperren und die Geräte damit nutzlos zu machen, sollte die kanadische Firma RIM nicht kooperieren und seine Kunden überwachen lassen. Geschehen aber ist nichts, Blackberrys laufen, wie beispielsweise die New York Times schreibt .

Weswegen Berichte glaubwürdig klingen, der kanadische Smartphonehersteller RIM habe eingewilligt, den saudischen Behörden Zugang zu einem Teil der Kundendaten zu gewähren. Das zumindest berichtet die Nachrichtenagentur AP unter Berufung auf saudische Regierungsbeamte.

Vorige Woche hatte RIM noch dementiert, die staatlichen Behörden verschiedener Länder in die Kommunikation seiner Kunden spähen zu lassen. Nun aber zitiert AP Bandar al-Mohammed, einen Beamten der saudischen Kommission für Kommunikations- und Informationstechnologie (CITC), mit den Worten: RIM habe "seine Absicht zum Ausdruck gebracht ... einen Server in Saudi-Arabien zu stationieren".

Gleichzeitig berichtet die Agentur Reuters , die CITC habe die drei Telekommunikationsfirmen des Landes angewiesen, innerhalb der kommenden 48 Stunden "die vorgeschlagenen Lösungen zu testen und die gewünschten behördlichen Anforderungen zu erfüllen". Worin genau diese Anforderungen bestehen, erklärte die Behörde nicht. Aber auch Reuters zitiert – in diesem Fall eine namentlich nicht genannte Quelle – dass es dabei um den Einsatz von RIM-Servern in Saudi-Arabien geht.

Wer einen Blackberry nutzt, dessen Mails und Telefonate werden auf dem Gerät verschlüsselt und dann über die in Kanada stehenden Server von RIM weitergeleitet. Daher gelten sie als relativ abhörsicher, was jedoch verschiedenen Ländern nicht passt. Könnten doch, so die Argumentation, sich Kriminelle und Terroristen der Geräte bedienen, um sich einer Verfolgung zu entziehen. Neben Saudi-Arabien haben daher wohl auch China, Indien, die Vereinigten Arabischen Emirate, Libanon, Algerien und Russland angedroht, Blackberrys zu sperren, sollte RIM sich nicht ausspähen lassen.

Läuft die Kommunikation aber über einen Server in dem betreffenden Land, ist die Verschlüsselung hinfällig. Denn auf den Firmenservern selbst wird wieder dekodiert, dort laufen die Informationen im Klartext durch, um zugeordnet und sortiert werden zu können, wie es heißt.