Die internationale Funkausstellung IFA hat Grund zum Feiern. Nicht nur, weil dieser Tage ihr 50. Jubiläum ansteht. Auch nicht nur deshalb, weil das Interesse der Hersteller in diesem Jahr groß ist. Zehn Prozent mehr Aussteller als im Vorjahr sollen sich diesmal angemeldet haben, weshalb die Messe Berlin sich zum Bau einer zusätzlichen, temporären Halle veranlasst sah.

Die Freude ist grundsätzlicherer Natur. Denn die Branche darf sich zu den ersten zählen, die das schwierige Jahr 2009 ohne größere Verluste überstanden hat und nun sogar wieder kräftig wächst. Offensichtlich geben die Verbraucher ihre durch die Krise geretteten Ersparnisse derzeit besonders gerne für digitale Technik aus. So blieben die Erlöse in der Konsumelektronik fast stabil – und sollen in diesem Jahr nach Angaben des Fachverbandes BITKOM sogar um rund 2,5 Prozent auf 12,7 Milliarden Euro steigen.

Insgesamt wird dieses Jahr jeder Haushalt 636 Euro für Konsumelektronik ausgeben. Die Chancen stehen nicht schlecht, dass jeder zweite Euro davon in die Taschen der Hersteller von TV-Geräten fließt. In der Gunst der Konsumenten folgen auf den Fernseher Digitalkameras, Spielkonsolen und Settop-Boxen, sowie Autonavigationssysteme.

Zehn Millionen Fernsehgeräte sollen dieses Jahr abgesetzt werden – so viele wie nie zuvor. Dabei könnten die Konsumenten nicht nur ihre alten Röhrenfernseher gegen flache Bildschirme austauschen, sondern sich auf der IFA auch für 3-D-Fernseher und Geräte mit Internetanschluss erwärmen. Doch diese Trendthemen, darauf weisen Marktanalysten hin, scheinen noch nicht wirklich ausgereift. Für einen Massenerfolg von 3-D-TV etwa fehle es noch an Standards und Inhalten, sagen etwa die Analysten von iSuppli . Zwar sendete Arte unlängst einen Hitchcock-Film in drei Dimensionen. Insgesamt aber sind die Angebote der deutschen Sender, die im Frühjahr gerade einmal standardmäßig HD-Qualität einführten, noch rare Ausnahmen. Das wird wohl bis auf weiteres auch so bleiben.

Ungeklärt sind auch manche technischen Fragen. Etwa ob LCD- oder Plasmafernseher 3-D-Bilder besser darzustellen vermögen. Plasmafernseher zeigen zum Beispiel auch dann noch 3-D-Bilder, wenn der Zuschauer nicht direkt vor dem Gerät sitzt, sondern etwas seitlich. Dafür sehen Plasma-Geräte bei Tageslicht blasser aus als LCDs, weil den Bildern fehlt die Hintergrundbeleuchtung fehlt. Und schließlich könnte es sich lohnen, abzuwarten, ob nicht organische Leuchtdioden (OLED) der Fernsehgerätewelt künftig noch flachere, kontrastreichere Bilder einbringen.

In der Tat: Obwohl es die 3-D-Fernseher seit März im deutschen Handel gibt, sind erst 40.000 davon verkauft worden. Der BITKOM geht davon aus, dass bis Ende des Jahres etwa 100.000 Haushalte einen 3-D-Fernseher besitzen werden – ein verschwindend geringer Anteil an den knapp zehn Millionen gewöhnlichen Fernsehern, die in diesem Jahr verkauft werden.

Bei den Internet-Angeboten ihrer TV-Geräte arbeiten die großen Hersteller offensichtlich an eigenen Lösungen. Toshiba und Philips etwa basteln mit HbbTV an einer interaktiven Anwendung, Sony setzt auf spezielle Zusatzangebote, Samsung kooperiert mit Yahoo und YouTube und will mithilfe der Internetfirmen Wetter und Nachrichten auf die Mattscheibe bringen. Am Ende könnte es eine Vielzahl proprietärer Lösungen geben. Der Käufer muss heute sehr gut überlegen, ob er mit seiner Entscheidung für die Zukunft die richtige Wahl getroffen hat.

Vielleicht wird sich auch bei Fernsehgeräten ein Markt für Apps entwickeln, wie er bei Smartphones schon lange üblich ist. Dieser Markt ist kräftig in Bewegung geraten. Der Trendsetter auf diesem Gebiet, das iPhone, musste sich in den USA erstmals von der Konkurrenz auf die Plätze verweisen lassen: Im zweiten Quartal 2010 wurden hier bereits mehr Handys mit dem Google-Betriebssystem Android verkauft als iPhones. Ende des Jahres will Microsoft den Konkurrenten Google und Apple mit dem neuen Betriebssystem Windows Phone 7 zusätzlich auf den Pelz rücken. Insgesamt verzeichnen die Smartphone-Hersteller ein Umsatzplus von 102 Prozent. Jedes dritte verkaufte Handy ist hierzulande ein Smartphone. Dementsprechend gibt es auch auf der IFA jede Menge iPhone-Alternativen auszutesten.