"Kultobjekt aus Kunststoff und Metall, Anfang drittes Jahrtausend" – künftige Archäologen werden viel zu sortieren haben, wenn sie unsere Artefakte ausgraben: Unmengen schwarzer Körper, metallener Stecker, dünner Kabel. Vielleicht nennen sie das frühe 21. Jahrhundert später die Netzteil-Epoche.

In der Gegenwart haben Handy-Ladegeräte ein denkbar schlechtes Image, sie sind kurzlebig, inkompatibel, energiefressend. 2009 hatte die EU-Kommission von den Herstellern gefordert: Besserung muss her ! Die Industrie wandte ein drohendes Gesetz jedoch per Selbstverpflichtung ab.

Am heutigen Dienstag nun haben 14 Handybauer – darunter Apple, Motorola, Nokia und RIM (Blackberry) – dem EU-Industriekommissar Antonio Tajani ihre Lösung präsentiert . Viel Eigenlob inbegriffen.

Von einem "Universalnetzteil" ist in der Selbstverpflichtung die Rede. Tatsächlich handelt es sich aber gar nicht um ein Gerät, sondern um ein Bündel von Vorgaben, eine Art Esperanto-Norm: Netzteile eines Herstellers müssen von diesem Jahr an auch Telefone der Konkurrenz laden können. Als einheitlicher Anschluss dient eine Micro-USB-Buchse am Handy (oder ein Adapterkabel). Das System, so betont Manfred Breul vom Branchenverband Bitkom, soll in Zukunft schneller laden als die vielen PC-Besitzern bereits bekannten Anschlüsse dieser Art.

Verbraucher sollen nicht mehr unter dem Wirrwarr der Stecker leiden – und unter den saftigen Preisen für Ersatznetzteile. Zudem soll, wer ein neues Mobiltelefon kauft, seinen alten Universaladapter weiternutzen können. Um Elektroschrott zu reduzieren, wird künftig wohl nicht mehr jedem neuen Handy ein Ladegerät beigepackt.

"Ein erster wichtiger Schritt", sagt Ines Oehme, Elektronikexpertin beim Umweltbundesamt. Allerdings gilt all dies nicht für jedes neue Handy, sondern zunächst nur für Smartphones.