Nun also auch Apple. Der Computer auf dem Schreibtisch war lange Jahre der wichtigste Ort zur Speicherung und Verarbeitung von Daten seines Nutzers. Schon sein Name drückte das aus: to compute something , etwas berechnen, kalkulieren. Applechef Steve Jobs hält diese Ära für beendet. Bei der jährlichen firmeneigenen Entwicklerkonferenz WWDC hat Jobs gerade vorgestellt , wie er die Idee der Cloud in seine Produkte integrieren wird.

Cloud Computing bedeutet, dass Nutzer ihre Daten nicht mehr selbst verwalten, sondern deren Verarbeitung einem nicht näher definierten Rechnernetzwerk überlassen, zu dem sie via Internet Zugang haben. Alle Daten und Informationen, die jemand in ein Gerät eingibt, werden dabei in Rechenzentren irgendwo auf der Welt gespeichert und können vom Nutzer mit jedem Gerät abgerufen werden – solange es einen Internetzugang hat.

Google bietet solche Lösungen seit Jahren und baut sie immer weiter aus , genau wie Amazon , IBM und andere. Microsoft arbeitet gerade daran .

Apple nennt sein Angebot entsprechend seiner Designpolitik iCloud. Jobs versprach, dass es dank der iCloud keine Kabel mehr braucht. Damit wird vor allem ein selbst gemachtes Problem beseitigt. Bislang können iPhone oder iPad nur aktiviert und genutzt werden, wenn bereits ein Appleprogramm vorhanden ist: iTunes. Die Geräte müssen an einen Computer gestöpselt werden, der iTunes kann, um sie in Betrieb zu nehmen.

Das ist für Nutzer, die beispielsweise ein Smartphone mit dem System Android nutzen, eine absurde Vorstellung. Bald aber können nun auch Applekunden ihre Geräte sofort in Betrieb nehmen. Mit der neuen Softwareversion für mobile Geräte, dem im Herbst erscheinenden iOS 5 , erfolgt die Anmeldung und Aktivierung via Internet.

Das Synchronisieren jedes einzelnen Gerätes mit einem Muttercomputer fällt damit ebenso weg. Jedes Gerät schickt Änderungen künftig an Apple, von wo aus sie auch allen anderen Geräten zur Verfügung stehen. Musik ist damit wohl nicht mehr gebunden. Ein im Appleladen iTunes gekauftes Musikstück werde nun für alle Geräte zur Verfügung stehen, die mit dem Account verknüpft sind, versprach Jobs. Das war bislang ein selbst geschaffenes Problem: Nur eine begrenzte Zahl an Geräten durfte kopiergeschützte Musik speichern und abspielen.

Darüber hinaus können nun auch nicht bei Apple gekaufte Alben und Songs via Rechnernetz auf andere Geräte verteilt werden. Dieser Dienst, genannt iTunes Match, kostet allerdings pro Jahr 24,99 Dollar, wenn ein Kunde seine selbst gerippten CDs in der Wolke speichern will. Das ist billiger als das gleiche Angebot von Amazon.