Es gab schon einige Tablets, deren erklärtes Ziel es war, dem iPad wesentliche Teile des Marktes streitig zu machen. Gelungen ist es bislang keinem – zumindest keinem einzelnen Gerät, mag es nun von Samsung , Motorola oder RIM kommen. Allerdings haben Tablets mit dem Betriebssystem Android insgesamt inzwischen einen Marktanteil von knapp über 20 Prozent erlangt . Immerhin.

Wichtigster Motor dieser Entwicklung war bislang das Galaxy Tab von Samsung, gegen dessen neue Version Apple gerade mit Gewalt vorgeht . Nun versucht es ein völlig neuer Anbieter. Und auch wenn über das Gerät selbst noch kaum etwas bekannt ist, zeigen sich einige Technikbeobachter doch optimistisch, dass es ihm gelingen könnte, den Android-Anteil am Tablet-Markt erheblich zu steigern: Der Anbieter ist Amazon.

Warum ausgerechnet der Onlinebuchhändler eine Konkurrenz zum iPad darstellen könnte? Die britische Zeitung Guardian ist sich sicher , dass es vor allem daran liegt, das Amazon bereits eine etablierte Plattform ist, wenn es um den Verkauf von Inhalten geht. Das Unternehmen gehöre zu den zehn größten Sammlern von Kreditkartendaten weltweit – neben Apple, eBay, PayPal, Sony und Microsoft, letztere durch ihre Spielenetzwerke.

Amazon sei eine Firma, der die Kunden in Nordamerika und Europa bedenkenlos ihre Kontodaten anvertrauten, schreibt der Guardian . Gerade für den Verkauf von Tablets sei das lebenswichtig. Denn Tablets seien im Gegensatz zu Smartphones, die auch telefonieren könnten, unbeschriebene Tafeln ( tabula rasa ). Man könne mit ihnen surfen und Mails abrufen, aber es brauche externe Inhalte wie Apps, Bücher oder Filme, um sie zu wahrem Leben zu erwecken.

Solche Inhalte sind die Schwäche von Android, findet der Guardian -Autor. Zitat: "Bei Android Honeycomb (Anmerkung: dem aktuellen Tabloid-Betriebssystem von Google) sieht es düster aus; kein Vergleich zu dem, was man an Apps für das iPad bekommen kann." Als Ursache sieht er die Schwierigkeiten, im Android-Market zu bezahlen.

Das ist tatsächlich nicht einfach. Eingeführte und relativ simple Systeme wie Paypal werden im Android Market nicht akzeptiert. Bezahlt werden kann vor allem mit Kreditkarte, was jedoch vielen Menschen aus Angst vor Kartenbetrug eher Unbehagen verursacht. Google versucht zwar seit Langem, eine Plattform für Micropayment aufzubauen, Checkout genannt, wirklich akzeptiert aber ist die nicht.

Gleichzeitig ist es das Geschäftsprinzip des Konzerns, seine Dienste über Werbung zu finanzieren. Daher sollen möglichst viele Apps kostenlos sein. Was dazu führt, dass viele App-Entwickler sich eher auf Apple konzentrieren, da sie dort direkt entlohnt werden können. Im Android-Laden finden sich deshalb viele abgespeckte Versionen und auch viele Apps, die nicht wirklich gut laufen. Die rigide Politik Apples ist gelegentlich absurd und hat viele Feinde, der unbestrittene Vorteil aber ist, dass alle Apps vor der Veröffentlichung geprüft werden.