Apple renoviert das iPhone

Der amerikanische Technologiekonzern Apple hat ein neues Telefon vorgestellt. Was so banal klingt, sorgt weltweit für Aufmerksamkeit, denn es geht um das iPhone – nach Darstellung des neues Applechefs Tim Cook das erfolgreichste und beliebteste Smartphone, das derzeit verkauft wird.

Wobei Cook nicht verschwieg, dass insgesamt nur fünf Prozent aller Mobiltelefonnutzer ein iPhone verwenden. Wird es jedoch mit dem ebenfalls sehr erfolgreichen iPad zusammen betrachtet, wie Apple das bei der Vorstellung tat, dominiert der Konzern mit seinem Betriebssystem derzeit den Markt für mobile Geräte. Insgesamt 43 Prozent aller Mobilgeräte würden mit iOS betrieben, dagegen nur 33 Prozent mit dem wichtigsten Konkurrenzsystem Android, sagte Scott Forstall, der für iOS verantwortliche Manager.

Gerade das iPhone ist dabei ein enormer Erfolg und für den Konzern inzwischen der wichtigste Hardwarebereich . Der Absatz an Computern ist stabil beziehungsweise steigt leicht, der an iPods sinkt seit geraumer Zeit und der an iPads wächst, ist aber noch nicht so stark, um dem Smartphoneabsatz ebenbürtig zu sein.

Bislang hat Apple mit jeder neuen Version des Telefons seinen Verkauf steigern können . Zuletzt wurden im ersten Quartal 2011 weltweit mehr als 16 Millionen Stück abgesetzt, insgesamt waren es seit der Markteinführung 2007 gar 130 Millionen.

Eine komplette Überarbeitung gibt es nicht

Entsprechend wichtig ist für Apple die Weiterentwicklung von iOS und iPhone. Eine komplette Überarbeitung, wie von vielen Beobachtern lange erwartet, gab es nun jedoch nicht. Das neue Modell heißt iPhone 4S und sieht aus wie sein Vorgänger. Das Innere jedoch ist etwas verändert.

So nutzt es den Zweikern-Chip A5, der auch im iPad verbaut ist, und rechne damit bis zu zweimal schneller als das iPhone 4, hieß es in der Vorstellung. Aufgrund der Struktur des Prozessors werde vor allem Grafik nun mit höherer Geschwindigkeit berechnet. An welchen Markt sich diese Neuerung richtet, wurde klar, als Apple ausführlich die Möglichkeit darstellte, auf dem Gerät Spiele zu spielen. Als Beispiel diente Infinity Blade , ein Onlinerollenspiel, das für iOS entwickelt wurde.

Verbessert wurde auch die größte Schwachstelle aller Smartphones, die Kapazität des Akkus. Apple verspricht, dass das neue Gerät neun Stunden surfen im WLAN durchhalte oder sechs Stunden mit einer 3G-Mobilfunkverbindung.

Die Datenübertragung wurde beschleunigt, jedoch verwendet das 4S nicht den neuen Mobilfunkstandard 4G, wie es einige Geräte der Konkurrenz bereits tun. Die Beschleunigung wurde vor allem durch einen technischen Trick erreicht: Es besitzt zwei Antennen. Eine wird für das Herunterladen von Daten genutzt, eine zweite für das Hochladen, sodass beide Prozesse gleichzeitig ablaufen können.

Ebenfalls besser ist die Kamera. Der Chip speichert nun mit einer Dichte von acht Megapixeln, die Linse liefert schärfere Bilder, und die Reaktionszeit des Auslösers wurde beschleunigt. Auch das ist eine Funktion, die wie Spiele immer wichtiger wird für Smartphones, die damit mehr und mehr Geräte ersetzen . Das 4S wird ab 14. Oktober in den USA, Kanada, Frankreich, Deutschland, Großbritannien und Japan erhältlich sein. In 22 weiteren Ländern kommt es ab dem 28. Oktober, im Rest der Welt ab Ende des Jahres. Es kostet mit Mobilfunkvertrag zwischen 199 und 399 Dollar, je nach Speichergröße.

Kostenloser Nachrichtendienst

Insgesamt ist es eher eine Renovierung des Gerätes, kein Neustart. Ähnliche Verbesserungen gab es schon einmal. Das 2009 veröffentlichte Modell 3GS sah aus wie sein Vorgänger, bot aber bessere Grafikunterstützung, einen stärkeren Akku und schnellere Datenübertragung.

Ebenfalls in Cupertino präsentiert wurde nun die neue Version des Betriebssystems iOS. Diese hatte der damalige Chef Steve Jobs auf der Entwicklerkonferenz WWDC im Juni bereits angekündigt , nun wurde sie offiziell vorgestellt und soll ab dem 12. Oktober erhältlich sein.

Wesentliche Neuerungen: Die Synchronisierung verschiedener Applegeräte wurde verbessert. Was auf einem Gerät erstellt oder gespeichert wurde, kann auch auf anderen gelesen werden. Möglich ist das durch den iCloud genannten Datenspeicherdienst. Auch der war bereits angekündigt worden und wurde nun noch einmal präsentiert.

Datenwolken gibt es von verschiedenen Anwendern, Google ist sehr erfolgreich mit seinem Angebot GoogleDocs. Apple arbeitet seit Längerem an seinem Konkurrenzprodukt, am 12. Oktober soll es nun starten. Der Speicherplatz ist allerdings begrenzt, fünf Gigabyte stehen kostenlos zur Verfügung, um Fotos, Dokumente oder Musik im Netz abzulegen. Mehr muss gekauft werden.

Neue Software für Sprachsteuerung

Wie bei Blackberry gibt es außerdem nun ein Nachrichtensystem zwischen Applegeräten, iMessage genannt. Ohne zusätzliche Kosten können sich Applenutzer gegenseitig kurze Botschaften schicken und chatten. Die Funktion wird für Applenutzer untereinander wohl schnell Angebote wie SMS ersetzen, für die Mobilfunkanbieter Gebühren verlangen. Bislang konnten Apple-Geräte mit entsprechenden Kameras schon miteinander Videochats aufbauen, doch scheint die Textnachricht deswegen noch lange nicht erledigt.

Ebenfalls neu bei Apple ist eine Sprachsteuerung, die den Namen verdient. Ein persönlicher Assistent und Sekretär will das iPhone künftig sein. Mit Worten kann es dank einer neu eingekauften Software namens Siri nicht nur gesteuert werden wie bisher schon. Der Assistent könne auf Zuruf als Diktiergerät dienen, im Netz nach Begriffen suchen, den schnellsten Weg nach Hause anzeigen, oder Fragen verstehen und beantworten wie: "Wie viele Tage sind es noch bis Weihnachten."

Er versteht laut Apple Englisch, Französisch und Deutsch und werde mit der Zeit besser, da er sich an die Stimme des Nutzers gewöhne. Sprachsteuerungen dieser Art gibt es schon, sie alle aber haben Probleme damit, wirklich jedes Wort zu verstehen. Entgegen seiner sonstigen Politik, nur fertig entwickelte Produkte anzubieten, wies Apple nun darauf hin, dass es sich bei dem Programm um eine Beta handele, eine Vorversion also.