Mobile Einkaufshelfer fürs gute Gewissen – Seite 1

Die Jeansabteilung im Kaufhaus, das Fischregal im Supermarkt und das eigene Badezimmer: An diesen profanen Orten kann sich die Zukunft entscheiden. Denn unser Konsumverhalten bestimmt, wie sich Gesellschaft und Umwelt entwickeln. Nur dumm, dass die Sache mit den nachhaltigen Entscheidungen gar nicht so einfach ist im Alltagsstress. Helfen wollen ein paar schlaue Anwendungen für Smartphones. Das Umweltbundesamt und auch das Projekt Begrüner empfehlen einige Apps, die dem überforderten Weltverbesserer zeigen sollen, wie er das bessere Leben auch wirklich umsetzen kann.

Die kostenlose iPhone-App EcoChallenge versucht das mit Gamification -Elementen. Die im Forschungsprojekt EcoViz der Fachhochschule Potsdam von einer kleinen Berliner Agentur entwickelte "grüne App" bietet Dossiers und Ratgeber zu verschiedenen Themen, etwa Wasserverbrauch, Fleischkonsum oder Herstellung von Baumwolle. Außerdem lassen sich die eigenen Konsumgewohnheiten mit einem Rechner überschlagen und mit Durchschnittswerten vergleichen.

"Challenges" fordern dazu heraus, das eigene Verhalten testweise umzustellen, etwa eine Woche lang beim Einseifen unter der Dusche das Wasser abzustellen oder beim Einkauf auf Plastik zu verzichten. Bei Erfolg winkt ein virtueller Pokal, mit dem man bei seinen Facebook-Freunden angeben kann.

EcoChallenge ist ein guter Start für Einsteiger. Schade ist nur, dass die Links zu den in der App angeführten Informationen kaum auf wissenschaftliche Quellen zeigen, wie es bei einer mit öffentlichen Mitteln finanzierten und vom Umweltbundesamt empfohlenen App zu wünschen wäre. Vor allem, weil bei dem Thema Plastik im Meer oft mit fragwürdigen Zahlen hantiert wird .

Gemüse und Geolokalisierung

Für nachhaltiges Einkaufen gibt es gleich eine ganze Reihe kleiner Helfer. Mit den kostenlosen Fischratgebern von WWF (für Android und iOS) und Greenpeace (nur iOS) können Konsumenten abfragen, welche Fische nach Einschätzung der beiden Organisationen auf dem Teller landen dürfen und welche nicht, weil sie schon als überfischt gelten. Dabei sind sich WWF und Greenpeace dabei nicht immer einig. Wer etwa einen Lachs sucht, bekommt von der einen App rotes und von der anderen grüngelbes Licht. Bei genauerem Lesen erlaubt aber auch die strengere App Ausnahmen. Insgesamt jedoch ist die WWF-App detaillierter.

Die iPhone-App Erntefrisch für 1,59 Euro informiert per Geolokalisierung über Gemüse, das gerade Saison hat, und zeigt Wochenmärkte in der Nähe an.

Wer beim Essen außer Haus auf Fleisch verzichten will, kann den kostenlosen iPhone-Gastronomieführer VegMan nutzen, der vegetarische und vegane Restaurants in der Gegend aufführt.

iPhones sind selbst problematisch

Wirklich interessant wird es bei den Produktscannern. Sie fotografieren den Barcode auf der Verpackung ab und holen anschließend umfangreiche Informationen dazu auf den Schirm.

Während es bei Codecheck für das iPhone vor allem um gesundheitlich bedenkliche Inhaltsstoffe geht, zeigt Barcoo für Android und iPhone neben Preisvergleichen auch eine Nachhaltigkeitsampel für einige Produkte. Außerdem werden kritische Anmerkungen von Umweltschutzorganisationen mitgeliefert. Eher auf den amerikanischen Markt ausgerichtet ist der GoodGuide für Android und iPhone, der gesundheitliche, ökologische und gesellschaftliche Aspekte bewertet und alternative Produkte auflistet.

Derzeit ist es allerdings noch etwas mühevoll, die Scanner zu nutzen. Oft erkennen sie Barcodes oder Produkte nicht, oder erkennen sie zwar, haben aber noch keine weitergehenden Informationen über sie. Gleichzeitig haben solche Scanner das wohl größte Potenzial. Wenn sie irgendwann auch dank Beteiligung der Nutzer bessere Informationen liefern, sind sie der wohl einfachste Weg, sich beim Einkaufen umfassend über die Nachhaltigkeit von Produkten zu informieren – eine Art mobiles "Wikipedia der Konsumgüter".

Ein Aspekt des nachhaltigen Lebens kommt bei mobilen Anwendungen derzeit jedoch noch etwas kurz. Apps, bei denen es speziell um die soziale Seite des Konsums geht, um fairen Handel etwa, finden sich in den App-Stores nur wenige. Die kostenlose iPhone-App Fair Fashion der Initiative "Erklärung von Bern" (EvB) führt Informationen zu den Produktionsbedingungen großer Modelabels auf. Die Darstellung ist für den Laien allerdings schwer verständlich.

Auf der eigenen Website hinterfragt die Initiative allerdings die Idee dieser ökologischen App: "Warum wirbt die EvB mit einer iPhone-App für faire Mode, wo doch das iPhone selber zu unfairen Bedingungen hergestellt wird ?" Nachhaltigkeit ist und bleibt eben kompliziert.