Seit fast zwei Jahren streiten die Unternehmen Oracle und Google , ob Googles mobiles Betriebssystem Android Patente von Oracle verletzt. Die erste Klage dazu reichte Oracle im August 2010 ein, anschließend wurde der Kampf lange in Form von Schlichtungsverhandlungen geführt. Vergeblich, seit Montagabend wird er vor einem kalifornischen Gericht ausgetragen.

Das Ganze wirkt unheimlich kompliziert, beide Seiten hantieren mit langen Patentschriften und haben immer neue Vorwürfe und Verteidigungen vorgebracht. Dabei ist es im Kern simpel, es geht um viel Geld. Android ist ein Erfolg, weltweit läuft das System auf unzähligen Smartphones und ist dabei, den Markt zu dominieren. Oracle hätte von dem Erfolg gern etwas ab. Beziehungsweise es versucht, den Erfolg zu schmälern. Das scheint ein inzwischen übliches Vorgehen im Konkurrenzkampf zu sein, das die Branche insgesamt bedroht .

Oracle hatte im Januar 2010 den Softwareentwickler Sun Microsystems samt der von diesem gehaltenen Patente gekauft. Sun war vor allem bekannt für die Entwicklung der Programmiersprache Java. Android nutzt Java und Oracle wirft Google vor, dies zu tun, ohne die dafür erforderlichen Lizenzen erworben zu haben. Google hingegen argumentiert, Android verwende Java nicht direkt, sondern führe in Java geschriebene Programme mithilfe einer selbst gebauten Umgebung namens Dalvik aus – weswegen Oracle glaubt, Google habe die Funktionen von Java nachgebaut, um eben diese Lizenzen nicht erwerben zu müssen.

Wissentlich Java-Lizenzen umgangen?

Im Prozess warf Oracle in der Eröffnungserklärung dem Konkurrenten deswegen bewussten Ideenklau vor. Bei der Entwicklung von Android seien wissentlich Patent- und Urheberrechte der Java-Software verletzt worden.

Oracle-Anwalt Michael Jacobs präsentierte in San Francisco Zitate aus diversen E-Mails. Sie sollen belegen, dass den zuständigen Google-Managern – darunter auch dem heutigen Konzernchef Larry Page – durchaus bekannt gewesen sei, dass sie eine Lizenz für Teile der Java-Software hätten erwerben müssen.

Jacobs zeigte den Geschworenen eine gut 90-seitige Multimedia-Präsentation mit Zitaten, Fotos der Google-Manager und Video-Mitschnitten mit früheren Aussagen. Einen zentralen Platz hatte darin die E-Mail des Entwicklers Tim Lindholm an Android-Chef Andy Rubin aus dem August 2010. Darin berichtet Lindholm, sein Team habe sich im Auftrag der Google-Gründer Larry Page und Sergey Brin nach Alternativen für Java umgesehen und festgestellt, dass sie nicht passten. Deswegen sei es notwendig, eine Java-Lizenz auszuhandeln, schrieb er.